Asif Ali Zardari : „Wenn der Irak wählt, warum nicht auch hier?“

Der Wittwer der getöteten Benazir Bhutto ist plötzlich einer der mächtigsten Männer Pakistans. Vielen gilt er als einer der korruptesten Politiker des Landes.

Christine Möllhoff

Das könnte man so sagen“, bekennt Asif Ali Zardari freimütig, als ihn eine Journalistin fragt, ob nicht er der wirkliche Parteichef sei. Zwar hat Pakistans Volkspartei PPP nach dem Tod von Benazir Bhutto nun symbolisch ihren 19-jährigen Sohn Bilawal an die Spitze gehievt. Doch der Teenager ist auf dem Rückweg nach England, wo er in Oxford weiterstudieren wird: Die nächsten Jahre wird sein Vater die Partei führen. Über Nacht ist der schnauzbärtige Zardari damit zu einem der mächtigsten Männer Pakistans aufgestiegen – neben Präsident Pervez Musharraf und Armeechef Ashfaq Parvez Kayani.

Angeblich hatte Benazir in ihrem „Vermächtnis“ gewünscht, dass Zardari offiziell den Vorsitz der PPP übernimmt. Dass der Witwer seinen Sohn vorschickte, ist ein taktischer Schachzug. Der 51-jährige ist kein geborener Bhutto, sondern nur angeheiratet. Und er ist im Volk unbeliebt. Als großspurig, geldgierig und skrupellos beschreiben ihn Gegner. Vielen gilt er als einer der korruptesten Politiker, die Pakistan in seiner 60-jährigen Geschichte hervorgebracht hat.

Zardari, der am 21. Juli 1956 geboren wurde, gehört dem Zardari-Stamm in Bhuttos Heimatprovinz Sindh an. Er und Bhutto waren seit 1987 verheiratet. Es war, wie weithin üblich, eine arrangierte Ehe. Sie haben drei Kinder, Sohn Bilawal sowie die Töchter Bakhtwar und Asifa. Die Ehepartner lebten seit einigen Jahren getrennt, dementierten aber Berichte, sie hätten sich entfremdet. Zwar blieb Zardari im Schatten der glamourösen Bhutto-Tochter, doch er mischte politisch kräftig mit. In ihrer Regierung war er unter anderem Umweltminister. Benazir Bhutto nahm ihn gegen Kritik immer wieder in Schutz.

Man erzählt wenig Gutes über ihn. Die Missetaten, die man ihm anlastet, reichen von skurril bis haarsträubend. Schamlos soll er während der Amtszeit von Benazir Bhutto den Staat ausgenommen und Schmiergelder eingestrichen haben. Mit Plastiktüten voller Dollarnoten mussten Geschäftsleute bei ihm anrücken. Insgesamt 1,5 Milliarden Dollar soll das Paar zusammengehamstert haben, heißt es. Selbst den Kummer gewohnten Pakistanern trieb er es zu bunt. „Mister zehn Prozent“ nannten sie ihn, weil er angeblich immer Schmiergelder in dieser Höhe beanspruchte, später sogar „Mister zwanzig Prozent“.

Dabei zeigte er sich wenig zimperlich. So klagte man ihn an, eine ferngesteuerte Bombe am Bein eines Geschäftsmannes angebunden und ihn so in eine Bank geschickt zu haben, damit er Geld abhebt. Auch soll er der Drahtzieher hinter dem Mord an Benazirs Bruder Murtaza 1996 gewesen sein. Immer wieder saß er im Gefängnis, insgesamt zehn Jahre. Aber verurteilt wurde er nie, die Verfahren verliefen immer wieder im Sande.

Sein übler Leumund hält ihn nun davon ab, selbst bei den anstehenden Parlamentswahlen, die inzwischen auf den 19. Februar verschoben wurden, in den Ring zu steigen. Die PPP hatte in der Hoffnung auf Sympathiestimmen die Verschiebung der Wahl abgelehnt: „Wenn im Irak, Afghanistan oder in Afrika Wahlen stattfinden können, warum nicht auch in Pakistan“, sagte Zardari. Nun werde wahrscheinlich Parteivize Makhdoom Amin Fahim als Kandidat für das Premierministeramt benannt, ließ der Bhutto-Witwer wissen. Fahim, der als treuer und selbstloser Diener des Klans gilt, dürfte aber kaum mehr als eine Marionette sein – und Asif Ali Zardari im Hintergrund die Strippen ziehen. Christine Möllhoff

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