Asylverfahren in Deutschland : Ineffizient, inhuman

Asylanträge müssen in Deutschland gestellt werden: Solange dieses Dogma verteidigt wird, machen die Schlepper weiter dicke Kasse - und viele Menschen riskieren auf dem Weg zu uns ihr Leben. Ein Kommentar.

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Gekommen, um zu bleiben: Junge Flüchtlinge aus Kriegsgebieten lernen Deutsch.
Gekommen, um zu bleiben: Junge Flüchtlinge aus Kriegsgebieten lernen Deutsch.Foto: dpa

Wie kann Europa mehr lebensgefährdeten Menschen als bisher Schutz bieten? Das ist derzeit eine der brennendsten Fragen. Die Antwort: Über die Aufnahme von mehr Kontingentflüchtlingen und über die Ausweitung des Neuansiedlungsprogramms. Beide Verfahren werden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gesteuert. Warum nimmt Deutschland dann nur zwanzigtausend Kontingentflüchtlinge aus Syrien auf, obwohl sie hier ohne Asylverfahren sofort nach ihrer Einreise das volle Eingliederungsprogramm durchlaufen können?
Abschiebungsverfahren gibt es auch nicht, denn das Bleiberecht ist ihnen von vornherein garantiert. Und warum nur jährlich dreihundert Flüchtlinge über das sogenannte Ansiedlungsprogramm? Das kleine Schweden nimmt zehnmal mehr Personen über diesen Weg auf. Diese Programme sind der Goldstandard in der Flüchtlingspolitik, weil sie vielen Menschen schnell helfen, ein geschütztes neues Leben aufzubauen. Außerdem kosten sie weniger, weil gleich nach der Ankunft die Integration beginnt. Ja, und warum machen wir das dann nicht?

Die Anträge müssten in unseren eigenen Botschaften weltweit gestellt werden können

Weil wir zur Bedingung machen, dass Asylanträge in Deutschland gestellt werden müssen. So kommen tausende (in 2014 geschätzte zweihunderttausend) Arbeitssuchende und Verfolgte neben den wenigen Kontingentflüchtlingen ins Land. Könnten sie die Anträge in unseren eigenen Botschaften weltweit stellen – viele Länder nutzen ihre Botschaften dafür – oder auch in „Willkommens- und Ausreisezentren“ außerhalb Europas, beispielsweise in Afrika, wie es Innenminister de Maizière vor drei Tagen vorgeschlagen hat, kämen weniger Antragsteller. „Zynischer Vorschlag“ erklärte Pro Asyl. Das bedeutet: Alles bleibt wie es ist.
Solange aber das Dogma verteidigt wird, nur hier dürfe Asyl beantragt werden, machen die Schlepper weiter dicke Kasse und viele riskieren auf dem Weg zu uns ihr Leben. Hier wird dann in den trägen Asylmühlen wieder auseinander sortiert, wer Flüchtlingsschutz braucht und wer wieder gehen muss. Was für ein verschwenderisches System an kostbarer Lebenszeit der Antragsteller und an Geld, mit dem mehr schutzbedürftige Menschen über sichere Einreisen sofort aufgenommen werden könnten.

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