Atomkraft in Frankreich : Achtung, Hochspannung!

In einer französischen Nuklearfabrik lagen bis zu 39 Kilogramm Plutonium herum. Ein Skandal, zumal Frankreich dabei ist, in aller Welt neue Atomkrisenherde zu schaffen.

Dagmar Dehmer

So eine Überraschung: Statt acht Kilogramm Plutonium hat der französische Atomkonzern Areva bei der Demontage einer Nuklearfabrik in Cadarache zwischen 22 und 39 Kilogramm des hochgiftigen, gefährlichen Stoffes gefunden. Die Anlage, in der 40 Jahre lang aus Plutonium sogenannte Mox-Brennstäbe für Atomkraftwerke hergestellt worden sind, stand sechs Jahre leer. Dass der Betreiber offenbar keinen Schimmer hatte, wie viel Plutoniumpulver in seiner Fabrik lagerte, zeigt den eher entspannten Umgang der Franzosen mit ihren Nuklearanlagen. Wenn es stimmt, was Greenpeace Frankreich behauptet, dass diese Menge Plutonium reiche, um bis zu fünf Atombomben zu bauen, ist das ein Riesenskandal. Zumal Frankreich dabei ist, in aller Welt neue mögliche Atomkrisenherde zu schaffen: Präsident Nicolas Sarkozy verkauft nahezu überall, wohin er reist, Atomkraftwerke. Die politische Stabilität vor Ort kümmert ihn dabei wenig, wie Verträge mit Libyen oder Ägypten zeigen. Gleichzeitig versucht Frankreich in den Klimaverhandlungen, die Atomkraft zur erneuerbaren Energie umzudefinieren, damit über diese Schiene Industrieländer den Bau von Kernkraftwerken in Entwicklungsländern fördern sollen. Der Vorfall in Cadarache ist ein Grund mehr, das zu verhindern.

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