Atomverhandlungen mit dem Iran : Hoffnung oder Blendwerk

Am Dienstag wird wieder einmal über Irans Atomprogramm verhandelt – und die Hoffnung auf eine Lösung des Dauerstreits ist so groß wie selten zuvor. Genährt hat sie kein Geringerer als Staatschef Hassan Ruhani. Seit seinem Amtsantritt Anfang August ist fast kein Tag ohne nette Worte in Richtung „großer Teufel“ vergangen. Eine Einigung mit Washington? Kein Problem! Da braucht’s doch nur bisschen guten Willen. Und der sei auf iranischer Seite reichlich vorhanden. Das klingt verheißungsvoll, vor allem aber: überraschend. Denn seit vielen Jahren zieht Teheran die Verhandlungen mit allen erdenklichen diplomatischen Tricks und wohlfeilen Ausreden in die Länge. Und die so gewonnene Zeit hat das Regime offenkundig genutzt, um seine nuklearen Ambitionen voranzutreiben. Da darf es die Mullahs nicht wundern, dass sowohl Israel als auch mehrere westliche Geheimdienste übereinstimmend davon ausgehen, dass der Iran die gewonnene Kernkraft sehr wohl und sehr bald militärisch nutzen könnte. Es ist also Gefahr im Verzug. Genau deshalb muss Teheran seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Anderenfalls erweist sich der Hoffnungsschimmer rasch als Blendwerk. Ch.B.

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