Atomwaffen in Deutschland : Alte Krieger

Taktische, also Kurzstrecken-Atomwaffen in der Eifel sind militärisch nahezu unbedeutend geworden, bleiben aber ein Symbol für geteilte Abschreckung. Muss deswegen noch einmal das Ende des Kalten Krieges ausgerufen werden?

Robert Birnbaum

Zu den Nebenfolgen des Klimawandels gehört, dass das politische Sommerloch offenbar auch immer früher anfängt. Anders ist die Begeisterung nicht zu erklären, mit der sich die Opposition des Landes inklusive der SPD und Kurt Becks Mainzer Landesregierung in der Forderung vereinigt, die USA müssten ihre letzten Atomwaffen aus Deutschland abziehen, jetzt, sofort! Anlass ist ein Bericht der US-Luftwaffe, der zu dem Schluss kommt, dass die US-Sprengköpfe in Europa nicht perfekt bewacht seien. Wenn das so ist, muss es geändert werden – auch wenn US-Atombomben in der Eifel allemal sicherer liegen als ex-sowjetische in den mafiaverseuchten Weiten Sibiriens. Aber um Sicherheit geht es den Kritikern nicht. Sie spielen friedensbewegt. Sie rufen noch mal das Ende des Kalten Krieges aus. Sie erklären den Atomabzug zum Signal für Abrüstung. All das ist vier Nummern zu groß. Taktische, also Kurzstrecken-Atomwaffen in der Eifel sind militärisch nahezu unbedeutend geworden, bleiben aber ein Symbol für geteilte Abschreckung. Ihren Abzug zur Zeit des Kalten Krieges zu fordern, bedeutete, eine andere Sicherheitspolitik zu wollen. Heute klingt der gleiche Ruf nur noch hohl, in ein Sommerloch hinein getönt. bib

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