Meinung : Auch Bildung ist Teil der Kultur

„Melodien für Millionen / Bis zu 186 Euro beträgt der Zuschuss, den der Staat pro Opernkarte zahlt“ vom 21. November

Vielleicht ist es ja doch möglich, einen Weg zu finden, der für beide Seiten gangbar ist. In der Autobiografie von Teddy Kollek, dem langjährigen, legendären Bürgermeister von Jerusalem, fand ich folgende Erkenntnis: „Eine Stadt in einer wirtschaftlichen Krise erfolgreich zu verwalten, grenzt fast an ein Wunder. Gefährdet sind insbesondere kulturelle Aktivitäten, die in der Regel als erstes den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. Ein Konzert ist kein Operationssaal und ein Theaterstück kein Wasserturm. Aber während der schweren Zeit nach der Staatsgründung (Israels, P. K.) lernten wir, daß das eine so wichtig wie das andere ist und daß man nicht dem Fehler verfallen darf, die Staatskasse auf Kosten der Kultur sanieren zu wollen.“ (Heyne- Verlag 1985, S. 422) Überzeugend, und daher: Pro subventionem – im Prinzip.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille; die andere ist durch den Umfang gegeben: Bei (wenigstens) 123 Millionen Euro pro Jahr allein an Zuschüssen zum laufenden Betrieb der drei Häuser, zu zahlen von einem der am höchsten verschuldeten Gemeinwesen Deutschlands, sollten eigentlich auch fanatische Opernliebhaber ins Grübeln kommen. Und angesichts der Tatsache, dass damit etwa ein Drittel des Berliner Kulturhaushalts in diese eine Kunstgattung fließt, besteht Anlass, Kollek zu paraphrasieren: Man darf in einer wirtschaftliche Krise nicht in den Fehler verfallen, die Oper auf Kosten aller anderen Kultureinrichtungen zu sanieren – von den teilweise brutalen Streichungen im Bereich Bildung und Wissenschaft, der schließlich auch Teil der Kultur einer Stadt ist, ganz zu schweigen. Wohl nicht vollkommen unsinnig, und daher: Contra subventionem – im gegenwärtigen Umfang.

Ich meine, man sollte anstreben, sich mittelfristig auf zwei Opernhäuser in Berlin zu beschränken, wobei eines davon (zweckmäßigerweise die Staatsoper) vom Bund im Sinne eines „Notopfers Hauptstadt-Oper“ zu unterhalten wäre. Auf Berlin würde dann ein unterer bis mittlerer zweistelliger Millionenbetrag entfallen; angesichts der Kassenlage immer noch reichlich viel, aber so viel sollte uns „unsere“ Oper schon wert sein – siehe Teddy Kolleks Mahnung.

Prof. Dr.-Ing. Peter Koeppe,

Berlin-Wannsee

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