• Auch Religion gehört zur Freiheit Werteunterricht – was der Staat nicht zu bestimmen hat

Meinung : Auch Religion gehört zur Freiheit Werteunterricht – was der Staat nicht zu bestimmen hat

Robert Leicht

Der Streit um den Religionsunterricht zeigt es: In der Berliner SPD (und in der PDS sowieso) hat sich ein starr betoniertes Milieu alt-marxistischer und vulgär-materialistischer Kirchenfeindlichkeit erhalten. Der Marxismus und der Materialismus haben zwar ziemlich abgedankt, aber die Religionsfeindlichkeit ist geblieben. Dagegen wäre nun zunächst gar nichts zu sagen, denn nach den Worten schon des alten Fritzen soll hier jedermann nach seiner Façon selig werden – oder auch nicht. Wenn nur diese Art der Religionsaversion nicht so freiheitsfeindlich und so entsetzlich unmodern wäre! Weshalb also gehört gerade in einem freiheitlichen und weltanschaulich neutralen Staat der Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach an die öffentlichen Schulen?

Erstens: Ein modernes Bildungsverständnis bezieht erste und letzte Fragen der menschlichen Existenz nach Tod, Leben und Sinn in das Unterrichtsgeschehen ein – und zwar nicht nur als distanzierte Information, sondern vertreten durch authentische Lehrerpersönlichkeiten. Prinzipielle Religionsfeindlichkeit dagegen ist missverstandene Aufklärung. Wer die Religion aus der Öffentlichkeit in die Katakomben der Privatheit verbannen will, hat weder begriffen, was Religion noch was eine offene Gesellschaft ist.

Zweitens: Der freiheitliche, weltanschaulich neutrale Staat hat in diesen Fragen keinerlei eigene Kompetenz zu beanspruchen oder gar Vorgaben zu machen. Jeder soll eben nach seiner eigenen Façon selig werden (oder doch wenigstens jenseits aller Fachlichkeit gebildet) – nicht aber nach der des Staates.

Drittens: Es ist kein Privileg der Kirchen, sondern ein Freiheitsrecht der Eltern und Kinder, dass der Religionsunterricht im Schulgeschehen seinen Platz bekommt – sofern Schüler und deren Eltern dies wünschen, und zwar vollkommen freiwillig. Wer Religionsunterricht aus freien Stücken verlangt, bekommt ihn; wer nicht, der nicht. Diskriminiert oder ins Abseits gedrängt wird weder der eine noch der andere.

Viertens: Den Inhalt des Religionsunterrichts können nie die Beamten des weltanschaulich programmlosen Staates, sondern nur die authentischen Vertreter der Religionsgemeinschaften verantworten. Der Staat hat allein – und dies entschieden! – dafür Sorge zu tragen, dass die Religionslehrer wie die übrigen Lehrer wissenschaftlich ausgebildet sind und dass auch sie, wie alle anderen Lehrer, die Treue zur Verfassung wahren. Um diese Erfordernisse vertraglich abzusichern, braucht der Staat verlässlich und dauerhaft organisierte Repräsentanten der Religionsgemeinschaften, seien es nun Muslime, Juden oder Christen.

Fünftens: Unternähme es der Staat, den Religionsunterricht sozusagen von oben zu boykottieren, so griffe er in fundamentale Freiheits- und Wahlrechte der Eltern und Schüler ein. Setzte er gar ein mit Zwang (und ohne Abwahlrecht) forciertes eigenes Weltanschauungsprogramm als „Werteerziehung“ dagegen, so maßt er sich eine Kompetenz an, die ihm seine weltanschauliche Neutralität verbieten muss. Die Schimäre einer „weltanschauungsfreien Werteerziehung“ ist zudem nicht nur ein Widerspruch in sich selbst, sondern selber eine höchst ideologische Veranstaltung – und zwar aus der Ideologie der von Staats wegen verordneten Religionslosigkeit.

Jeder soll nach seiner Façon selig werden. Das war gegen die Übergriffe der damaligen Kirchen in Gewissensfragen gesagt. Das gilt aber auch gegen Übergriffe des Staates auf die Freiheits- und Wahlrechte von Eltern und Schüler. Viele Landespolitiker der Berliner SPD und PDS fallen also in ihrer Religionsfeindlichkeit nicht nur hinter den neuen, den weltanschaulich neutralen Freiheitsstaat, sondern auch noch hinter den alten Fritzen zurück.

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