Meinung : Auch Schulen müssen lernen

„Schulsenator will mehr Qualität“

vom 25. Oktober

Die Diskussion über das „Qualitätspaket“ ist ein schönes Beispiel dafür, dass es vor allem auf die richtigen Fragen ankommt. Nehmen wir nur das Reizthema „schwache Schulleiter“: Es wäre wohltuend, wenn jemand fragte: Diese Leute sind Schulleiter geworden, nachdem sie ein Auswahlverfahren durchlaufen haben - wie konnte es dann zu solcher Fehlbesetzung kommen, wer ist dafür verantwortlich? Und zweitens: Soll sich der „schwache Schulleiter“ als hospitierender Eleve an der „Erfolgsschule“ so vorstellen: „Ich bin der Schulleiter mit Entwicklungsbedarf. Bitte beraumen Sie für mich eine Lehrerkonferenz an, damit ich sehen kann, wie man eine Konferenz kommunikativ/konkfliktfrei/diskussionsoffen/zielführend leitet ...“ - Das Drehbuch lässt sich mühelos mit umgekehrten Vorzeichen für den Besuch des „Erfolgsschulleiters“ an der Schule mit „Entwicklungsbedarf“ einrichten. Was soll das doppelte Intermezzo ernsthaft bewirken, wenn es auf diesem sensiblen Feld nicht auf schematisch erlernbare Methoden, sondern auf Persönlichkeit ankommt? Man muss nicht „Experte“ sein, um zu begreifen, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen ihr Ziel, Fehlentwicklungen zu beheben, verfehlen werden. Mehr noch: Sie werden die Misere verstärken, weil sie intakte Strukturen zusätzlich belasten und produktive Kraft vergeuden werden. Martin Reimann, Berlin-Lichterfelde

In der Diskussion um die Förderung von Schulen mit hohem Entwicklungsbedarf wird für den Zustand der Schule hauptsächlich der Schulleiter in der Verantwortung gesehen. Diese Sicht scheint mir zu einfach. Die Rahmenbedingungen, unter denen Schulleitungen in Berlin arbeiten, werden außer Acht gelassen. Eine große Schule mit verschiedenen Jahrgangsstufen, insbesondere ein Gymnasium, kann von einer Person allein nicht gut geleitet werden. Darum gehören zur Schulleitung z.B. eines Gymnasiums ein Stellvertreter und zwei Koordinatoren. - Wie oft waren aber in den letzten Jahren die Schulleitungen unterbesetzt, oder es war sogar die Schulleiterstelle vakant! - Ich konnte 14 Jahre ein Gymnasium leiten, zur Zufriedenheit der Schüler und Eltern, mit großer Unterstützung des Kollegiums. Wir waren aber nur deshalb eine „starke“ Schule, weil der Stellvertreter und die Koordinatoren sich ebenfalls mit viel Energie für die Schule einsetzten und nicht nur der Schulleiter.

Erich Rinnert, OStD. i.R.,

Berlin-Kladow

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