Meinung : Auf beiden Augen blind

DER MASSENMORD IM SUDAN UND DER WESTEN

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Im Sudan begeht die Regierung Massenmord und Vertreibung. Im Kampf gegen die Rebellen in der Region Darfur, einer Provinz von der Größe Deutschlands, haben Regimetruppen tausende, wenn nicht zehntausende Zivilisten getötet und eine Million Menschen in die Flucht getrieben. Das übersteigt bei weitem die Gräuel des serbischen Vernichtungsfeldzugs im Kosovo, gegen den die Nato 1999 intervenierte – im Namen der Menschenrechte. Im Sudan werden keine westlichen Friedenstruppen das Morden und Vertreiben stoppen. Es reicht ja nicht einmal für breitere öffentliche Empörung. Man kann das alte Trauerlied anstimmen: Interveniert werde nur, wo es um strategische Interessen gehe – Öl, Transportrouten, Flüchtlingsströme, die den reichen Norden bedrohen. Afrikanische Menschenleben zählen nicht dazu. Doch warum bleiben die Menschenrechtsorganisationen, warum bleibt die Linke stumm, die sonst solche zynische Machtpolitik geißelt? Sie haben mit ihrer Empörung über Bushs Irakkrieg genug zu tun. Sie schwiegen vor einem Jahr über Kongo, obwohl dort viel mehr Menschen grausam ermordet wurden, als parallel dazu im Irakkrieg starben. Sie schweigen heute zum Schlachten im Sudan. Rechte und Linke haben gleichermaßen Grund zur Scham. Der Westen ist nicht auf einem, er ist auf beiden Augen blind. cvm

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