Auf den Punkt : 20 Jahre danach

Robert Ide über Pro Reli und Berlins Osten

Robert Ide
Robert Ide
Robert Ide, Tagesspiegel-Redakteur.Foto: Mike Wolff

BerlinFür die freie Wahl - wer kann schon dagegen sein? Fast 200.000 Unterschriften hat die Initiative Pro Reli nach eigenen Angaben in ganz Berlin gesammelt, um die freie Wahl in der Schule durchzusetzen: die Wahlfreiheit zwischen Ethiklehre und Religionsunterricht. Zweifellos ist das ein Erfolg gegen den wieder einmal halsstarrig agierenden rot-roten Senat. Aber ein Problem bleibt dennoch. Ganz Berlin gibt es nicht - vor allem nicht in Sachen Religion. Deshalb wird die Volksabstimmung über die Zulassung des Religionsunterrichts - unabhängig von ihrer Richtigkeit - scheitern.

Und wie bei der Frage, ob der Flughafen Tempelhof weiter betrieben werden soll oder nicht, wird dabei der Osten der Stadt entscheiden: mit Nichtachtung. Die DDR mag seit 20 Jahren Geschichte sein, die Prägungen ihrer Bürger sind weiterhin lebendig. Auch der verordnete Atheismus. Das mag bedauerlich sein, zumal sich insbesondere die Kirchen um die friedliche Revolution verdient gemacht haben (und so erst möglich machten, dass über solche Fragen überhaupt öffentlich diskutiert werden kann). Dennoch: Die meisten Unterstützer des Pro-Reli-Begehrs im Ostteil der Stadt finden sich in den verbürgerlichten Bezirken Pankow, Köpenick und Prenzlauer Berg. Hier aber ist Ost-Berlin nur noch in Überresten vorhanden. Hier füllen sich die Kirchen auch außerhalb der Weihnachtszeit wieder: mit Zuzüglern aus dem evangelischen Westen und dem katholischen Süden.

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