Auf den Punkt : Apple ist Ashram

Joachim Huber über die verrückten Apostel eines Gurus

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Joachim Huber (neu)
Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien und Interaktiv -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinHeute Abend werden die Isomatten gen San Francisco ausgerollt. Die Apple-Jünger werden vor dem iMac knien. Steve Jobs wird auftreten und ihnen geben, wonach es sie verlangt: einen Tablet-PC oder vielleicht auch nur ein neues, revolutionäres Kabel, das seine Steckdose alleine sucht. Völlig egal, Apple kann seine Gemeinde nie enttäuschen. Denn Apple ist Religion, wo Microsoft nur ein Betriebssystem ist. Und diese superpeinlichen Auftritte vom anderen Steve "Microsoft" Ballmer! Der andere Steve ist ein schwerfälliger Tanzbär, die Karikatur eines coolen Bits-and-Bytes-Mannes, ein Homer Simpson der PC-Branche. Wie anders Steve Jobs: Stets im schwarzen Rolli, in einer vom Designer persönlich gebleichten Jeans schwebt er aus den geheimnisumwitterten Entwicklungslabors im kalifornischen Cupertino auf die Bühne. Jobs ist Guru, wie es einst der Bhagwan aus Poona war.

Jobs ist die reinkarnierte, die heutige, die elektronisch vermittelte Variante. "Bhaggi" schaute mit Augen in die Welt, die wie in Öl eingelegt wirkten, Jobs trägt eine asketisch randlose Brille. Verkaufen wollen beide, ihr Marketing ist ähnlich, ihre Welten sind vergleichbar geschlossen und möglichst inkompatibel zu anderen (PC-)Welten. Beider Anhänger verausgaben sich spirituell und finanziell für ihren Guru. Die Tanztempel der Sannyasins in Deutschland hatten weiße Marmorfußböden, dito sind die Apple-Stores ganz in Weiß gehalten. Wenn sich die Apple-Men in diesen Ashrams um das superflache MacBook versammeln, ist Götzendienst angesagt. Stunde um Stunde wird investiert, damit die nächste Bewusstseinsstufe erreicht wird. Und dann dieses Wischen auf dem iPhone und demnächst auf dem iSlate! Während die PC-Proleten ihre Mäuse auf irgendwelchen Oberflächen zerkratzen, fährt der feinstfühlige Apple-Man über berührungsempfindlichste Oberflächen und tupft seine Morgens-, Mittags- und Abendgebete ins Gerät. So zärtlich war er das letzte Mal als Sannyasin.

Ein Gespräch mit einem Apple-Jünger ist möglich, aber sinnlos. Ein Gespräch mit einem Sannyasin war sinnlos, aber möglich. Kein Apfel fällt weit vom Stamm.

PS: Dieser Text wurde als Word-Datei geschrieben und mittels Windows 2000 in die Welt gebracht. Damit ist alles klar. Oder?

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