Auf den Punkt : Aus Freude am Baren

Lorenz Maroldt über Joschka Fischers neuen Job

Lorenz Maroldt
Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ja, das war schon auffällig, wie Joschka Fischer plötzlich die Bedeutung der Automobilindustrie betonte. Und jetzt wissen wir auch warum: Der frühere Außenminister wird Berater bei BMW, und das passt ja auch irgendwie zusammen. Bei BMW heißt es aus Freude am Fahren, bei Fischer aus Freude am Baren, und im Konzern wird der neue Beifahrer über den grünen Klee gelobt: Kaum jemand sonst könne gewichtiger und glaubwürdiger über Nachhaltigkeit sprechen als Fischer. Gewichtig – klar, das ist ziemlich offensichtlich, Fischer ist ja sozusagen der X 5 in der Beraterszene. Aber Nachhaltig? Da hat BMW offenbar die Gebrauchsanleitung von Fischer nicht richtig gelesen. Nachhaltig ist bei Fischer nur der Wandel, privat und politisch, und so wurde er eben auch vom Atomkraftgegner zum Atomkraftunternehmenslobbyisten und nun vom Opel-Arbeiter über den Mercedes-Taxifahrer zum BMW-Berater. Er planiert einen Weg für die Gaspipeline der Energiekonzernen RWE und OMV von Asien nach Europa, und er implantiert den Karossen der Bayerischen Motorenwerken ein gutes Gewissen. So what?

Fischer, ja selbst so eine Art Hybridantrieb, kommt mit allem Möglichen auf Touren, und da musste er auch irgendwann bei der Automobilindustrie landen – zumal die IAA in Frankfurt neuerdings ja selbst so etwas wie eine grüne Woche geworden ist. Selbstverständlich finden das einige Leute jetzt wieder ganz schrecklich verräterisch von Fischer, vor allem bei den Grünen. Da gibt es etliche, die mit ihrem einstigen Turnschuhminister noch ein Sonnenblümchen zu rupfen haben, spätestens, seit er seine Partei am Himmelfahrtstag '99 in den Kosovokrieg geführt hat. Aber die Grünen haben ihn nun lange genug mit Ökokram, Friedensfantasien und Feminismus gequält. Er ist frei davon, kann endlich so richtig Joschka Fischer sein und wird dafür heute eben von RWE und BMW gewählt. Die Welt jedenfalls wird ganz gewiss nicht schlechter deswegen.

Ohnehin sind ja auch schon vor Fischer andere Grünen bei ihrem langem Lauf zu sich selbst weit gekommen: Die Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer macht PR für die Pharma-Industrie, ebenso wie Norbert Schellberg, der frühere Koordinator der Fraktionsspitze. Die Ex-Umweltstaatssekretärin Margareta Wolf entdeckte ihre Fähigkeiten als Atomlobbyistin, die frühere Parteivorsitzende Gunda Röstel ließ sich zu einem Tochterunternehmen der Kernenergiebetreibers Eon treiben, und die ehemalige energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Michaele Hustedt wachte auch eines Tages als Beraterin des Atomkonzerns RWE wieder auf. Die Ex-Abgeordnete Marianne Tritz ließ sich ebenfalls vom grünen Beraterbazillus anstecken und fand einen neuen Job als oberste Lobbyistin des Dt. Zigarettenverbandes. Und der frühere Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium Matthias Berninger warnt heute nicht mehr wie früher vor Schokoriegeln, sondern hilft, sie zu verkaufen. Er hat sich wohl gedacht, bevor man ihn auf den Mond schießt, geht er lieber zu Mars.
Da hat Fischer wirklich einen besseren Geschmack.

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