Auf den Punkt : Ausgerechnet Lidl?

Gerd Appenzeller über einen neuen Mindestlohn

Gerd Appenzeller (neu)
Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor -Foto: Mike Wolff

Es ist nicht der 1. April, die Nachricht stimmt, ist keine Ente. Die Supermarktkette Lidl hat sich für Mindestlöhne im Einzelhandel ausgesprochen. Damit würde die bislang gegebene Möglichkeit des Lohndumping unterboten, heißt es in einem Schreiben der Geschäftsführung.

Hat Lidl irgendetwas bei Guido Westerwelle falsch verstanden? Denn Mindestlöhne wollte der doch nicht, sondern Mindestsozialleistungen, geschrumpftes Hartz IV sozusagen. Ausgesprochen hat er das zwar nicht direkt, aber die Intonierung war doch klar.

Und jetzt Lidl mit Mindestlöhnen? Nun werden die Lidl-Hasser dem Konzern gleich Böses unterstellen. Aber nehmen wir mal an, dass ausgerechnet Lidl einfach mal gerechnet hat und zu dem Schluss kam, dass Mindestlöhne so schlecht doch nicht sind. Zum einen verhindern sie, dass Löhne zu sehr steigen, denn der Mindestlohn, so er im Einzelhandel kommt, wird natürlich von den Arbeitgebern nicht als Untergrenze, sondern als Oberkante des Möglichen interpretiert werden.

Wichtiger aber ist dies: Vielleicht hat Lidl begriffen, dass nur der etwas kaufen kann, der vorher Geld verdient hat. Und wenn immer mehr Arbeitnehmer reguläre Jobs verlieren und sich nur noch von der einen bis zur nächsten Teilzeitstelle durchhangeln, macht auch Lidl keinen Umsatz mehr. Arme können nämlich nicht kaufen, so einfach ist das.

Vielleicht hätte Guido Westerwelle, bevor er an seinem Manuskript für den Politischen Aschermittwoch in Straubing werkelt, doch mal mit den Lidl-Leuten telefonieren sollen. Die haben nämlich die vom FDP-Vorsitzenden geforderte Sozialstaatsdebatte auf ihre Art eröffnet. Wenn jetzt schon von dieser Seite Mindestlöhne gefordert werden - mit welchem Argument kann die schwarz-gelbe Bundesregierung denn dann noch die Forderung danach abblocken?

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