Auf den Punkt : Bauer sucht Frau

Joachim Huber über die Personalprobleme beim "Spiegel"

Joachim Huber
Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien und Interaktiv -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Jetzt müssen sie beim "Spiegel" aufs Ganze gehen. Diese heimlich-unheimliche Suche nach einem neuen Chefredakteur funktionert überhaupt nicht. Durchstechereien, Indiskretionen und dann das Bermuda-Dreieck der drei Gesellschafter aus Erben, dem Verlag Gruner + Jahr und der mächtigen Mitarbeiter KG: Da wird Name auf Name versenkt.

Wenn Claus Kleber, der heißeste aller bisherigen Favoriten, mit dem Argument absagt, er sei "ein Mann des Fernsehens", dann spricht er wahr und gibt den "Spiegel"-Matadoren indirekt zu verstehen, welcher Gefahr er sich im Verlagshaus an der Brandstwiete ausgesetzt sehen musste: Bei Nichtgefallen kurzerhand weggesäbelt zu werden wie der noch amtierende Chefredakteur Stefan Aust. Da blieb der Kleber lieber beim ZDF, seinem erklärten "Zentrum der Freude".

Bisher haben die Königsmacher in Hamburg nur eines bewiesen: Dass sie zum Königsmord fähig sind - aber unfähig einen König zu finden, der auch herrschen darf und nicht nur freundlich sein muss zu jedermann und jeder Frau im Verlagshaus. Die bisherige Suche nach einem Nachfolger stellt sich dar als schlimmer Dilettantismus, in der Tat unwürdig eines publizistischen Organs, das immer noch das größte Nachrichtenmagazin im Lande sein will.

Dem "Spiegel" muss geholfen werden. Wenn also das Format "Bauer sucht Frau" Woche für Woche acht Millionen Fernsehzuschauer hinreißt, dann ist die Castingshow "Spiegel sucht Chef" die Rettung. Das vorhandene Personal in Hamburg ist erstklassig und  mit Spiegel TV steht das Fernsehprogramm parat. Und Stefan Aust moderiert.

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