Auf den Punkt : Berlin ist Verbrechensmetropole!

Bernd Matthies über den Einbruch im KaDeWe

Bernd Matthies
Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDa hat Berlin doch endlich mal wieder was Großes zuwege gebracht. Juwelendiebe im KaDeWe! "DER GRÖSSTE, SPEKTAKULÄRSTE SCHMUCK- UND JUWELENRAUB DER BERLINER KRIMINALGESCHICHTE" lesen wir in der Boulevardpresse, es scheint sich etwas Ungeheuerliches abgespielt zu haben im gefühlt größten Kaufhaus der Welt, und der juristisch nahe liegende Einwand, dass es sich keineswegs um einen Raub handelt, sondern um einen Einbruch, wirkt da schon richtig kleinkariert. Denn zu einer ordentlichen Metropole gehört auch eine weltstädtische Kriminalität, und da ist es selbstverständlich, dass ein mittelprächtiges Verbrechen bei Eignung lieber gleich mit Worten beschrieben wird, die an Action-Film und Kalaschnikow denken lassen.

In Wirklichkeit sind ein paar clevere Diebe über ein Vordach eingestiegen, haben ein paar Schränke und Vitrinen aufgehebelt und daraus die Sachen mit den meisten Ziffern aus dem Preisschild mitgenommen, angeblich fünf Millionen Euro Schaden, das ist die banale Realität - ein Schock für die neue Chefin des Kaufhauses, aber kaum eine Fußnote in der Kriminalgeschichte. Nun darf gemutmaßt werden, ob die Beute in dunkle Berliner Kanäle einsickert oder, dem aktuellen Klischee entsprechend, demnächst russische Oligarchen und ihre Gespielinnen ziert, aber so richtig spannend ist das alles nicht, wir sind spätestens seit den britischen Posträubern andere Dinge gewohnt.

Ach, und waren da nicht in den letzten Monaten andere Verluste zu hören, Zahlen, die hoch in die Milliarden gingen? Ein Verbrecher, der heute noch alle Tassen im Schrank hat, klettert nicht mehr mit dem Brecheisen über Vordächer, sondern macht was Raffiniertes mit dem Internet oder gründet einen Rundum-Sorglos-Fonds, dessen Einlagen irgendwo zwischen Luxemburg und den Virgin Islands versickern. Dagegen wirken die Einbrecher, die sich mit dem KaDeWe abgemüht haben, geradezu rührend altmodisch. Den Ruhm Berlins als Verbrechensmetropole haben sie vermutlich nicht gemehrt.

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