Auf den Punkt : Das perfide Albion

Sven Goldmann über die angeblich verletzten englischen Fußballspieler

Sven Goldmann
Sven Goldmann
Sven Goldmann, Redakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinFrüher, also sagen wir mal so um 1966 herum, haben die Engländer vielleicht einen halbblinden Linienrichter gebraucht, um wichtige Fußballspiele zu gewinnen. Sie waren keine begnadeten Techniker, und ihre Taktik bestand vor allem darin, den Ball weit nach vorn zu dreschen.

Anyway, eines konnte man ihnen jedenfalls nicht nachsagen: Feigheit vor dem Feind. Die Engländer haben sich gestellt, und einmal haben sie den Feind todesmutig mit seinem eigenen Gruß gegrüßt und ihm später Knoten in die Beine gedribbelt. Das war vor siebzig Jahren im Berliner Olympiastadion, eben dort, wo die Engländer heute Abend ihre Fußball-Macht demonstrieren wollten. Nun kann aber von Wollen keine Rede sein, denn die Mannschaft, die heute gegen Deutschland spielt, ist eine bessere Ersatzelf. Sieben Stammspieler haben abgesagt, und das wohl nicht nur, weil die englische Nationalmannschaft seit kurzem von einem Italiener befehligt wird.

Die Herren Rooney, Lampard oder Ferdinand fürchten die gewachsene Stärke der Deutschen und schützen als Grund für ihre Absage Zerrungen, Dehnungen oder Prellungen vor - alles Verletzungen, die keiner nachprüfen kann. Das Perfide daran ist, dass sich die vielen jungen Ersatzspieler, die daheim in der Liga nicht spielen dürfen, weil in England bekanntlich Fußballer aus der ganzen Welt spielen, aber keine Engländer - das Perfide also ist, dass diese jungen Leute sich heute den verlängerten Rücken aufreißen werden. Und nicht, wie es sich für ein Testspiel gehört, gemächlich den Ball zuschieben. Das ist Wettbewerbsverzerrung! Zum Fürchten, diese Engländer.

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