Auf den Punkt : Demokratische Hölle

Gastkommentator David Holwerk über die US-Vorwahlen

David Holwerk
David Holwerk
David Holwerk, Editorial Page Editor der Zeitung "The Sacramento Bee"

Die US-Demokraten sind wahre Meister darin, sich selbst in die Krise zu stürzen. Den einen Teil ihrer Krise tragen sie in der brutalstmöglichen Öffentlichkeit aus: das Personalchaos, das sich hinter dem Rennen um die Präsidentschaft verbirgt. Der andere Teil dreht sich um die gleichen Fragen, die die Partei seit 1968 nicht loslassen: wofür und für wen stehen die Demokraten eigentlich?

Kein Wunder, dass meine Kollegen in der US-Presse die Ergebnisse der Primary in Pennsylvania bis in jedes grauenvolle Detail durchsezieren. Hillary Clinton hat bei den Alten gewonnen. Bei den Frauen. Bei den Waffenbesitzern. Bei Gewerkschaftern und Weißen. Ganz sicher hat sie also unter waffenstrotzenden, älteren weißen Gewerkschaftlerinnen gewonnen, auch wenn das andere Experten wiederum anzweifeln und auf die weißen Männer verweisen. Und doch hat sie nur einige wenige Delegierte mehr als Barack Obama gewonnen - trotz aller Zahlenzauberei.

Auf der anderen Seite des Atlantiks mag das alles verwirrend wirken. Was interessiert den Rest der Welt die analytische Nabelschau einiger Experten? Sind ein paar grundlegende Fragen nicht viel wichtiger? Etwa, ob Hillary oder Barack (jeder nennt sie heutzutage mit Vornamen) das bessere Staatsoberhaupt abgeben in einem Land, das Krieg führt und unter der weltweiten Finanzkrise zusammenzubrechen droht?

Vielleicht werden sich irgendwann auch mal die Demokraten mit diesen Fragen beschäftigen. Im Moment aber sind sie nur mit sich selber beschäftigt - mit dem Streit, wofür die Partei eigentlich steht und was denn die wirklichen Streitlinien sind, die die Wahlen im November entscheiden.

Wird es das Alter sein (Obama gegen McCain)? Das Geschlecht (Clinton/McCain)? Rasse (Obama/McCain)? Klasse (Harvard und Yale für die Demokraten gegen Marineakademie für die Republikaner)?

Es ist die Hölle für die Demokraten, sich für einen Präsidentschaftskandidaten entscheiden zu müssen. Viele Wähler haben darauf keine Lust mehr. Nur nicht John McCain. Für ihn könnte die Sache nicht besser laufen.

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