Auf den Punkt : Der böse, liebe Alte

Gerd Appenzeller über das neue Buch von Helmut Schmidt

Gerd Appenzeller
Gerd Appenzeller (neu) Foto: Mike Wolff
Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor -Foto: Mike Wolff

Helmut Schmidt hat ein Buch geschrieben. Er hat in seinem Leben viele Bücher geschrieben, und über ihn sind viele Bücher geschrieben worden. Das neue Buch von Helmut Schmidt wird am Mittwochabend in Berlin vorgestellt. Es ist vermutlich sein letztes. Helmut Schmidt ist 89 Jahre alt. Der erste Satz des Buches mit dem Titel "Außer Dienst" lautet: "Gegen Ende des Lebens wollte ich einmal aufschreiben, was ich glaube, im Laufe der Jahrzehnte politisch gelernt zu haben."

Als der frühere Kanzler noch vor seiner Zeit als Regierungschef Vorsitzender der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion war, trug er bereits den Spitznamen "Schmidt-Schnauze". Er trug ihn zu recht. Von einem Kanzler sagt man so etwas natürlich nicht mehr. Aber er konnte überheblich und arrogant sein und sein Gegenüber spüren lassen, dass er sich ihm überlegen fühlte. Meist war er das auch. Aber er war eben auch einer der großen Kanzler dieses Landes. Das wusste er natürlich selbst immer. Dazu gelernt hat er, sich selbst zu wägen, und deshalb schreibt er auch, dass er oft ungeduldig und von nahezu unhöflicher Direktheit gewesen sei.

Der Mensch Schmidt

Man lernt durch dieses Buch viel über den Menschen Helmut Schmidt und viel über die Menschen, mit denen er zu tun hatte. Die meisten seiner Urteile wird auch der Leser bestätigt finden, der die handelnden Personen nur aus den Medien kennt. Schmidt hat gut beobachtet, und er schreibt darüber so schnörkellos, wie er geredet hat.

"Außer Dienst" ist eine bewegende Lektüre. Nehmen Sie sich die Zeit dafür. Die 22,95 Euro, die der Buchhandel und der Siedler-Verlag dafür wollen, sind gut angelegtes Geld.

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