Auf den Punkt : Der Senat freut sich doppelt

Ulrich Zawatka-Gerlach zum BVG-Streik

Ulrich Zawatka-Gerlach
Ulrich Zawatka-Gerlach, Redakteur -Foto: Mike Wolff

Das darf man keinem Busfahrer erzählen, sonst fährt er wütend gegen die Wand: Etwa 13 Millionen Euro brutto hat der Streik den Mitarbeitern der Berliner Verkehrsbetriebe im laufenden Jahr eingebracht. Aber gleichzeitig hat die BVG elf Millionen Euro Personalkosten eingespart. Durch streikbedingte Arbeitsausfälle, inklusive Feiertags- und Überstundenzulagen, die nicht gezahlt werden mussten. Außerdem hat das landeseigene Unternehmen in den vergangenen Wochen drei Millionen Euro weniger für Diesel und Strom ausgegeben. Also hätte die BVG an diesem Streik fast noch verdient, wären da nicht die Einnahmeausfälle von 4,5 Millionen Euro bei den Tickets gewesen, weil viele Fahrgäste aufs Auto, die S-Bahn oder das Fahrrad umgestiegen sind.

Der Senat freut sich nun doppelt: Einerseits hält sich die finanzielle Belastung für die Berliner Verkehrsbetriebe in engen, noch verkraftbaren Grenzen. Andererseits spart der Landeshaushalt in diesem Jahr 2,6 Millionen Euro ein, weil der BVG-Zuschuss wegen der ausgefallenen Fahrkilometer entsprechend niedriger ausfällt. Am Ende hat Finanzsenator Thilo Sarrazin richtig kalkuliert. Seine Prognose, dass ein BVG-Streik gar nicht lange genug dauern kann, weil er viel Geld spart, war zwar zynisch, aber sachlich fundiert. So ist das nun mal bei subventionierten Betrieben mit hohem Anteil an variablen Kosten. Wenn dort die Räder stillstehen und die Arbeit ruht, freut sich der Zuschussgeber. Und es könnte sogar sein, dass die BVG-Personalräte bald ein Problem bekommen - weil die jetzt erreichten, wenn auch bescheidenen Gehaltserhöhungen den Personalabbau im Betrieb beschleunigen werden. Denn ein öffentlicher Betrieb, der jetzt schon auf 700 Millionen Euro Schulden sitzt, wird jede noch so geringe Zusatzbelastung brutal wegsparen müssen.

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