Auf den Punkt : Der unpopuläre Krieg

Gerd Appenzeller über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Gerd Appenzeller

Nur die Abgeordneten der Linken waren dagegen, aber quer durch alle im Bundestag vertretenen Parteien fand sich am Donnerstag eine breite Mehrheit für eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Diesmal ging es um die Awacs-Aufklärungsflüge. Ohne die deutschen Spezialisten an Bord sind die Maschinen nutzlos. Natürlich ginge es, wurde wie so oft versichert, nicht um die Suche nach militärischen Zielen, sondern um die dringend notwendige Koordinierung im afghanischen Luftraum.

Da ist er wieder, dieser Hauch von Unredlichkeit, der für die in Afghanistan eingesetzten deutschen Soldaten so belastend ist. Die Awacs-Maschinen dienen also nur friedlichen Zwecken? Für die Operation „Enduring freedom“, den aktiven Kampf gegen die Taliban, dürfen sie nicht eingesetzt werden. Deutsche Soldaten durften bislang auch nur schießen, wenn sie vorher angegriffen worden waren. Einen klar identifizierten Gegner zu attackieren, war ihnen also verboten. Wäre es anders, würden die drei jungen Soldaten wahrscheinlich noch leben, die vor einer Woche in ihrem umgestürzten Schützenpanzer umkamen.

Sie waren nicht gefragt worden, ob sie überhaupt nach Afghanistan wollen, genauso wenig wie ihre Kameraden. Die Mehrheit der Deutschen ist, eine Meinungsumfrage hat es gerade bestätigt, gegen diesen Einsatz, den man nicht Krieg nennen soll. 69 Prozent der Bundesbürger sind sogar für einen Abzug der Bundeswehr so schnell wie möglich.

Wie fühlt man sich als Soldat in dem Wissen, vom Parlament gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung nach Afghanistan geschickt worden zu sein?

Es gehört wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass da immer öfter Zorn, Wut und Trotz hoch kommen. Die haben doch keine Ahnung zu Hause, hört man schon, dann müssen wir unser Ding eben so durchziehen. Das ist gefährlich. Eine kämpfende Truppe, die sich der Unterstützung des eigenen Volkes nicht mehr sicher sein kann, ist doppelt gefährdet: vorne der Feind, hinten kein Rückhalt.

Die Politik könnte etwas dagegen tun, auch die Kanzlerin. Indem sie immer wieder daran erinnert, dass es vom Anschlag auf das World Trade Center über Al-Qaida zu den Taliban bis nach Afghanistan eine klare Linie der Verantwortung gibt. Dass die gleichen Terroristen für die Mordtaten in London und Madrid verantwortlich sind, dass die deutschen Kofferbomber und die so genannte Sauerland Connection alle dieses bösen Geistes Kind sind. Und wenn die deutsche Bundeswehr nicht hilft, diese Menschheitsgeisel dort zu zerstören, wo sie ihren Ursprung hat, werden wir eines Tages zum Opfer werden.

Genau das muss die Politik sagen, immer wieder.

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