Auf den Punkt : Deutschland errötet

Von Axel Vornbäumen über den SPD-Flirt mit der Linken.

Axel Vornbäumen
Axel Vornbäumen, Redakteur für besondere Aufgaben -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Zwei Mal noch schlafen - und dann? Vielleicht spürt dann jemand im Land das "Momentum", die wahrscheinlich größte innenpolitische Verschiebung seit dem Mauerfall? Deutschland errötet. Dagegen wäre nichts zu sagen. Nur, es errötet auf eine Art und Weise, wie sich das vor ein paar Monaten noch niemand hat vorstellen können. Und einer ist da, der zieht die Strippen. Wer mag, der darf sich schon mal einreihen in die lange Schlange derer, die da zur Gratulation vor Oskar Lafontaine anstehen. Kurt Beck, bitte, ganz nach vorn! Wie immer die Wahl in Hamburg im Detail auch ausgeht, Lafontaine wird der Sieger sein, seine Linke zieht mutmaßlich zweistellig in die Bürgerschaft ein. Und den Generalsekretären der anderen Parteien gehen langsam die Worthülsen aus, mit denen sie ein Phänomen klein reden wollten, das von Mal zu Mal an Gewicht gewann. Bremen, Hessen, Niedersachsen, am Sonntag Hamburg - so viele "Sondersituationen" gibt es gar nicht. Die Linke ist da, nun auch im Westen. Im Osten, das hat gerade das konservativ angehauchten Umfrageinstitut Allensbach zerknirscht feststellen müssen, ist sie mittlerweile stärkste Kraft, über der 30 Prozent-Schwelle. Nur zum Vergleich: Das ist eine Marke, von der die SPD noch träumen kann.

Da verschieben sich Kräfte, derart, dass es für die SPD zu einem immer größeren Problem werden wird, Lafontaine als Haupthindernis für ein rot-rotes Bündnis im Bund darzustellen. Ob Beck das bedacht hat, bei seiner beschleunigten Annäherung an die Linke? In einem Jahr ist Lafontaine noch da. Warum sollte eine Partei ihren wichtigsten Mann opfern? Lafontaine wird die Bedingungen stellen, und das nicht zu knapp. Der Mann hat schließlich einen Traum - es ist die vereinigte Linke in ganz Deutschland.

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