Auf den Punkt : Deutschland gegen den Rest der Welt

Fabian Leber über den Ausstieg aus dem Atomausstieg der Schweden

Fabian Leber
Fabian Leber, Redakteur Meinung -
Fabian Leber, Redakteur Meinung -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinDas war sicher. Natürlich würden die Energiekonzerne die Entscheidung der schwedischen Regierung nutzen, um der angeblichen Renaissance der Atomkraft das Wort zu reden. Vor 30 Jahren hatten die Schweden in einer Volksabstimmung für den Ausstieg aus der Atomkraft gestimmt - und die konservative Regierung hat diesen Beschluss in dieser Woche rückgängig gemacht. Ein hoch symbolischer Akt. Und kein unausweichlicher.

Ausgerechnet das Land, das 2006 mit dem Störfall im Atomkraftwerk Forsmark knapp am GAU vorbeischrammte, legt nun den Schalter um. Schweden war das Vorbild für den deutschen Atomausstieg. Neben den Spaniern bleiben die Deutschen damit die einzigen, die am kontrollierten Abklingen dieser Hochrisikotechnologie festhalten wollen.

Der Fall Forsmark hat gezeigt, dass die Atomenergie auch nach jahrzehntelanger Weiterentwicklung nicht sicher geworden ist. Zu besichtigen ist das nicht zuletzt in Deutschland. Da stehen mit Brunsbüttel und Krümmel immer noch zwei Reaktoren still, weil ihre Wiederinbetriebnahme zu gefährlich wäre.

Aber um Sicherheit scheint es den Atomkraftbefürwortern nicht zu gehen. Sie argumentieren damit, der Klimawandel mache den Atomeinstieg notwendig. Gerade so, als ob das ein Naturgesetz wäre. Warum soll die Atomkraft nun auf einmal sicherer sein, nur weil der Klimawandel immer gefährlicher wird? Eine Gefahr soll die andere ersetzen?

Mit Kernkraft lässt sich der Klimawandel ohnedies nicht stoppen. Der größte Teil des schädlichen Kohlendioxids entsteht beim Heizen und im Straßenverkehr. Wie soll da die Stromerzeugung durch Atomkraft helfen? Bis heute sind Elektroautos nicht serienreif, und Wohnräume mit Strom zu beheizen, ist so ziemlich das uneffizienteste, was man sich vorstellen kann. Einzig in Skandinavien ist das weit verbreitet. Auch das ist ein Grund, warum die schwedische Entscheidung ein Sonderfall ist und den deutschen Ausstieg nicht in Frage stellt.

Deutschland ist also gut beraten, an seinem Sonderweg festzuhalten. Dutzende Studien haben gezeigt, dass nur der Ausbau erneuerbarer Energien gegen den Klimawandel nachhaltig hilft. Die Vorräte an Uran werden spätestens in 40 bis 60 Jahren zu Ende gehen. Warum also jetzt Energie verschwenden für eine Debatte, die nicht in die Zukunft führt?

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