Auf den Punkt : Die Bahn kann nicht anders

Carsten Brönstrup zur Preiserhöhung bei der Bahn

Carsten Brönstrup

BerlinHartmut Mehdorn hat von Josef Ackermann gelernt. Gute Neuigkeiten für die Börse verkündet man nicht zusammen mit schlechten Nachrichten für Kunden oder Mitarbeiter - das weiß heute jeder PR-Berater, spätestens seit der Chef der Deutschen Bank Anfang 2005 eine Rekordrendite beinahe in einem Atemzug mit einem Rekord-Arbeitsplatzabbau ankündigte. Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, hat deshalb heute bei der Vorstellung der Halbjahres-Zahlen nur grobe Daten einer Preiserhöhung mitgeteilt - die Details will er im September nachreichen. Dabei ist intern längst beschlossen, wie stark sich die Fahrscheine dieses Mal, also ab Mitte Dezember, verteuern werden, und der nächste Erhöhungsschritt ist es vermutlich auch. Der Grund ist einfach: Die Bahn kann nicht anders.

Die Preise für Zugtickets just in der Zeit zu erhöhen, in der Benzin und Diesel so teuer sind wie noch nie, ist natürlich alles andere als glücklich. Doch die Logik, die dahinter steht, folgt der Schienen-Verkehrspolitik der vergangenen Jahre: Wenn das Betreiben von Fernzügen keine Aufgabe des Staates mehr sein soll - und das ist hierzulande seit langem Konsens - dann müssen sich auch die Preise dafür an den Rahmendaten orientieren, die für die Privatwirtschaft gelten. Einen Preisstopp für Fahrscheine zu verhängen, um die Deutschen zu einem Volk von Zugfahrern zu machen - das kann weder für einen Bahn-Manager noch für einen Verkehrspolitiker eine ernst zu nehmende Option sein.

Deshalb, sagt Mehdorn, muss ein Ausgleich her für die teurer gewordene Energie und für die durch großzügige Tarifeinigungen erhöhten Lohnkosten. Was er nicht sagt ist, dass es noch viele andere Gründe für die steigenden Preise gibt. Denn dies ist beinahe der einzige Weg, die schwache Rendite im Fernverkehr mit ICs und ICEs zu erhöhen. Trotz massiver Werbung, trotz zahlreicher Billigticket-Aktionen bei Lidl oder McDonald´s bleiben im Schnitt noch immer 57 von 100 Sitzen bei der Bahn leer. Trotz der Ausdünnung des Fernzugnetzes in den vergangenen Jahren verdient sie hier noch immer nicht genügend Geld. Dabei muss die IC-Flotte schon bald für viel Geld ersetzt werden. Ganz zu schweigen von dem Renditedruck, dem die bald teilprivatisierte Bahn ab Herbst ausgesetzt sein wird.

Es ist daher zu einfach, zur Begründung der Preiserhöhung allein auf die steigenden Energiepreise zu verweisen. Josef Ackermann hat sich in den vergangenen Monaten bemüht, ehrlicher zu sein und geerdeter. Wenn Hartmut Mehdorn wirklich von ihm gelernt hat, sollte er seinen Kunden die volle Wahrheit sagen - und nicht nur einen kleinen Teil davon.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben