Auf den Punkt : Die It-Stadt

Elisabeth Binder über den Sehnsuchtsort Berlin

Elisabeth Binder
Elisabeth Binder
Elisabeth Binder, Redakteurin für besondere Aufgaben

BerlinDas sind 30 Sekunden pures Gänsehaut-Feeling: Ein Spot, der demnächst über CNN gesendet wird, zeigt Berlin als „the place to be“, als It-Stadt, als glamourös, fesselnd, kultig. Die Reichstagskuppel erscheint als Ikone modernen Lebensgefühls, der Dom, die Spree, der Fernsehturm werden zu Bildern, aus denen Mythen gestrickt werden. Und in der "Bild"-Zeitung schreibt Thomas Brussig, dass auch wer in Berlin arm ist, es immer noch gut hat, weil sich in einer Stadt, die weltoffen statt geldoffen ist, niemand ausgeschlossen fühlen muss. Dass die Stadt Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort für junge Kreative aus der ganzen Welt ist, haben vor ihm schon viele andere erkannt und ausgesprochen. Wie viele Orte gibt es, wo man so billig leben kann und gleichzeitig von so viel Kultur umgeben ist?

Geschafft. Berlin knüpft an die goldenen Zeiten an, hat allen Grund zum Selbstbewusstsein. Die Stadt mag arm und sexy sein, sie sieht aber schön und erotisch aus. Berlin ist im Zuge des Zusammenwachsens zu einer großartigen, internationalen, wunderbaren Stadt geworden. Auch Hollywood-Stars lassen sich gerne auf Zeit für Dreharbeiten hier nieder. Diane Kruger dreht mit Liam Neeson gerade in Babelsberg einen Film, in dem sie eine Berliner Taxifahrerin spielt. Jeder Film, der von Berlin handelt, lässt den Mythos wachsen. Es macht Spaß, hier zu leben. Man kann alle kulturellen Interessen verfolgen auf vielen verschiedenen finanziellen Levels. Man kann heute kambodschanisch, morgen georgisch und übermorgen mongolisch essen gehen, man kann sich voll saugen mit selten gezeigten Autorenfilmen oder in den Massen baden bei Weltstar-Konzerten. Berlin ist ein toller Ort zum Leben.

Nur aussprechen darf man das immer noch nicht, jedenfalls nicht als eingeborener oder gelernter Berliner. „Berlin, du wunderbare Stadt“ ist für Langzeitberliner nach wie vor ein Tabu. Das olle Berlin, über das man schimpft bis der Arzt kommt, wird also, egal was die Spots auf CNN zeigen, noch lange leben. Aber glücklicherweise nur in Worten. Die Wirklichkeit zeigt eine neue Lebensqualität.

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