Auf den Punkt : Die nasse Windel plagt

Moritz Schuller über den Umzug von Suhrkamp nach Berlin

Moritz Schuller
Moritz Schuller
Moritz Schuller, Meinungsredakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinDer Suhrkamp-Verlag verlässt Frankfurt am Main und Walter Jens strampelt sich nachts frei, weil "die nasse Windel plagt". Walter Jens ist so dement und sein Sohn so geschmacklos, dass dieser den hilflosen Zustand seines Vaters in der "Bild"-Zeitung detailliert ausbreitet. Der Suhrkamp-Verlag verlässt die Stadt der Frankfurter Schule, die Stadt von Adorno, Horkheimer und von Jürgen Habermas, und bricht dramatisch mit dieser langen Tradition.

Das intellektuelle Main-Milieu der alten Bundesrepublik existiert nicht mehr. Jens und Habermas waren dessen Stichwortgeber und die "Suhrkamp Culture" (George Steiner) war das theoretische Fundament der alten Bundesrepublik. Rot-Grün war das philosophisch-politische Meisterwerk der Nachdenkkönige, danach kam die Selbsthistorisierung. Jetzt verschwindet diese Generation - und ihr ist kein gnädig-stilles Verdämmern gegönnt. Jens ist zwischen den Titten der "Bild" gelandet und Habermas auf der Back List des Kultverlages. Dieses Schicksal gönnt ihnen vermutlich nicht einmal Ernst Nolte.

Habermas' Projekt der Moderne wird den Verlag vermutlich nicht nach Berlin begleiten, die Hauptstadt wird nun ohne einen Bundesphilosophen auskommen, ohne intellektuelle Gate Keeper. In Frankfurt sah sich Suhrkamp als Richter aller Denker und Lenker, als literarischer Produktionsort des richtigen Bewusstseins. Der Umzug des Suhrkamp-Verlages könnte den Beginn eines herrschaftsfreien Diskurses in Deutschland markieren.

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