Auf den Punkt : Die Region wird entchristlicht

Gerd Appenzeller zum Volksbegehren Pro Reli

Gerd Appenzeller (neu)
Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor -Foto: Mike Wolff

Lassen wir erst einmal die höheren Werte beiseite. Es ist völlig normal, dass die Befürworter des Volksbegehrens "Pro Reli" so tun, als sei ihr Vorhaben auf einem erfolgreichen Weg. Also sagen sie, sie hätten schon 70 000 Unterschriften für ein gleichberechtigtes Schulfach Religion, neben dem Fach Ethik, beieinander. Und genauso normal ist, dass der Landeswahlleiter die Zahlen infrage stellt, wenn sie mit den ihm vorliegenden offiziellen Angaben nicht übereinstimmen. Dafür gibt es viele Gründe, und Schwindelei muss nicht einmal dazugehören. Die dezentrale Sammlung der Unterschriften könnte eher die Ursache der Diskrepanz zwischen den Zahlen sein.

Wichtiger aber ist etwas anderes. Pro Reli tut sich offenbar schwer, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Die Befürworter einer Offenhaltung des Flughafens Tempelhof hatten zur Hälfte der Laufzeit ihres Vorhabens deutlich mehr Unterschriften zusammen. Für sie trommelte freilich auch ein großer Medienkonzern mit allen publizistischen Mitteln. Auch die Befürworter eines eigenständigen Fachs Religion haben in den Medien Freunde, aber die respektieren eher die Regeln eines unabhängigen Journalismus.

Traurig an der Situation ist jedenfalls, dass es der SED im Ostteil der Stadt genauso wie den religionsfeindlichen Kräften im Westen Berlins über ein halbes Jahrhundert hinweg offenbar gelungen ist, die Region weitgehend zu entchristlichen. Sich zu den Werten einer 2000-jährigen Kultur-und Religionsgeschichte vollmundig zu bekennen, gilt gerade noch als schick, aber mit der Kirche zu tun haben mag man nicht mehr. Eine Generation weiter kommen auch die Werte selbst auf den Abfallhaufen. Aber dann will es niemand gewesen sein.

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