Auf den Punkt : Dröge wie Deppendorf

Anja Kühne über öffentlich-rechtliche Fernsehmoderatoren

Anja Kühne

BerlinSind Sie humorlos? Dröge? Hölzern? Prima - denn dann haben Sie die besten Chancen, einen Job als Fernsehmoderator bei der ARD zu bekommen. So wie Ulrich Deppendorf. Seit Jahren präsentiert der Mann mit der runden Brille und dem Schnauzbart für die Anstalt die bundespolitischen Großereignisse, zuletzt die Wahl des Bundespräsidenten. In Deppendorf findet das öffentlich-rechtliche Fernsehen alle Eigenschaften, die es sich von ihrem Anchorman wünscht. Sein ausdrucksloser Blick und seine Farblosigkeit beweisen seine Überparteilichkeit. Seine starren Bewegungen minimieren das Risiko, nicht vorher im Rundfunkrat beschlossene Lebensäußerungen könnten das Publikum vor der Mattscheibe spalten. Da macht es dann auch nichts, dass Deppendorf on air sogar zur Übellaunigkeit neigt, etwa, weil ihn die Regie im Dunkel des Bundestags offenbar zeitweise aus den Augen verlor: Gereizt rechtfertigte sich der Moderator vor laufender Kamera, er habe hinter den Kulissen gerade den weiteren Verlauf der Sendung geplant - für die Zuschauer ein interessanter Einblick in die Arbeit eines Fernsehbeamten in der Fernsehbehörde.

Nicht jeder kann attraktiv wie Barack Obama sein. Warum aber sollte die ARD bei ihren Moderatoren keinen Wert auf Ausstrahlung, auf Charme und Charisma legen? Die ARD hat viele Deppendorfs in ihren Reihen, auch jüngere. Diese Biedermänner sollen Politik im Fernsehen seriös machen. In Wirklichkeit verweisen sie aber auf die personelle Verkrustung öffentlich-rechtlicher Sender. Schlimmer noch: Sie tragen zur Politikverdrossenheit bei.

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