Auf den Punkt : Ein Grenzfall

Ursula Weidenfeld über die 64-jährige Mutter in Aschaffenburg

Ursula Weidenfeld
Ursula Weidenfeld.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eine 64jährige in Aschaffenburg hat ein Kind bekommen. Ist es richtig, dass Ärzte auch Paare bei ihrem Kinderwunsch unterstützen, deren biologisches Alter längst jenseits der natürlichen Grenzen für Elternschaft liegt? Bezieht man die Frage nur auf den Mann, ist die Antwort normalerweise ja. Es ist durchaus im Rahmen des Akzeptierten, dass Männer mit 64 oder später Vater werden.

Bezieht man dieselbe Frage auf die Frau, gewinnt sie eine moralische Dimension. Es hat nichts mit einem mangelnden Gefühl für Gleichstellung zu tun, wenn die Antwort hier zurückhaltender ausfällt: Es ist ein hohes Risiko, das die Mutter für sich und das Kind eingeht, wenn die die natürlichen Grenzen für Geburt und Mutterschaft außer Kraft setzt. Außerdem ist die Aschaffenburger Schwangerschaft nur durch eine Eizellenspende im Ausland zu Stande gekommen. Die Gesetze dieses Landes erlauben eine solche Schwangerschaftsanbahnung aus gutem Grunde nicht.

Alle anderen Begründungen sind, um es vorsichtig auszudrücken, fadenscheinig. Niemand würde sich beklagen, dass Großeltern ein Kleinkind aufnehmen, dessen Eltern verstorben sind. Niemand würde ihnen die Fähigkeit zu Vorsorge für den Fall ihres Todes oder die Umsicht absprechen, das Kind alters- und kindgerecht zu erziehen. Niemand würde das Kind bedauern, weil es in einer anderen Umgebung aufwächst als die meisten seiner Altersgenossen. Warum auch? Es gibt viele denkbare Konstellationen, die für die Kindesentwicklung ungünstiger sind als der bloße Verweis auf das Alter der Eltern.

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