Auf den Punkt : Ein großer, guter Tag

Tissy Bruns über das Ende der Hauptschule in Berlin

von
Tissy Bruns
Tissy Bruns, Leitende Redakteurin (Parlament)Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinMitten im Winter sagt Berlin zu ihr: Ade! Und in Anlehnung an ein winterliches Lied dürfen wir sagen: Hauptschule, ade, scheiden tut weh. Aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht.

Berlin ist nicht das erste Bundesland, das sich auf den Weg ins zweigliedrige Schulsystem macht. Vor allem die ostdeutschen Länder haben längst vorgemacht, wie das Dilemma der dreigliedrigen Schullandschaft überwunden werden kann, ohne den alten Kulturkampf ums Gymnasium neu aufzulegen. Nicht anders als anderswo sind es keineswegs nur hoch pädagogische Überlegungen, die unsere Haupt-, Real- und Gesamtschulen künftig zu den besser ausgestatteten Sekundarschulen mit kleineren Klassen zusammenführen. Sondern Demografie, Sparzwänge und andere Gründe. Bessere Ausstattung, neue pädagogische Ideen, mehr Lehrer und Sozialarbeiter, das sind zudem vorerst Versprechen und Hoffnungen, die sich noch erfüllen müssen - alle Beteiligten sollten realistisch damit rechnen, dass auf diesem Weg auch noch manche Enttäuschung zu verkraften sein wird.

Und doch ist das ein großer Tag für Berlin! Denn die Abschaffung der Hauptschule ist - endlich! - der erklärte politische, soziale und kulturelle Wille dieser Stadt, kein Kind mehr auf einen Bildungsweg zu schicken, der seit über dreißig Jahren für den "Rest" vorgesehen ist. So lange schon gilt die Hauptschule als "Restschule". Das Ende der Hauptschule ist deshalb eine Selbstverpflichtung der Erwachsenenwelt, künftig kein Kind, das in Berlin geboren wird oder aufwächst, mehr in solche Sackgassen zu schicken. Es ist ein Tag des Optimismus, der Achtung vor den Kindern und Heranwachsenden in Berlin: Ja, wir wollen es, das Potenzial, die Hoffnungen, die Energie, die in ihnen steckt, ganz gleich, woher sie kommen, wie sie aussehen und wer ihre Eltern sind.

Und das ist eben ein Signal nicht nur an die Kinder, für die wir bisher unausgesprochen nicht mehr als die Hauptschule vorgesehen haben. Es ist ein Zeichen für alle Eltern, Lehrer, Schüler, Wissenschaftler: Für unsere Kinder das Beste! Bildung für ALLE!

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