Auf den Punkt : Ein konsequenter Abschied

Antje Sirleschtov zum Rücktritt von Franz Müntefering

Antje Sirleschtov
Antje Sirleschtov
Antje Sirleschtov, Reporterin der Parlamentsredaktion -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Hochachtung, Herr Müntefering. Bedingungslos an der Seite eines Menschen zu stehen, mit ihm das Leben zu teilen in jeder nur denkbaren Lage, das ist eine Herausforderung, die nicht jeder bestehen kann. Franz Müntefering nimmt sie an, steht an der Seite seiner Frau, an der Seite seiner Familie, wenn er gebraucht wird. Für die Außenstehenden bleibt, ihm viel Glück und Geduld auf diesem Weg zu wünschen.

Das politische Berlin verlässt an diesem Dienstag ein Vizekanzler, der weit mehr verkörpert als die zweite Spitze einer großen Regierungskoalition. Es geht ein Sozialdemokrat, der wie kaum ein anderer in den vergangenen Jahren seine Partei geprägt und sich mit ihr verändert hat.

Zweifellos hat Müntefering zu jenen in der SPD gehört, die zuerst mit Skepsis die Agenda-Reformbewegung von Altkanzler Gerhard Schröder angenommen haben. War das der richtige Weg für eine Partei, die sich seit ihrer Gründung als Interessenvertreterin der Arbeiter, der sozial Schwächsten in der Gesellschaft, versteht? Müntefering hat diese Frage letztlich mit Ja beantwortet. Seine Entscheidung, 2004 Parteichef zu werden, war das Bekenntnis dazu. Das Gesetz zur Rente mit 67 - 2006 unter Arbeitsminister Müntefering durchgesetzt - wurde zur logischen Fortsetzung auf diesem Weg.

Spätestens seit dem Hamburger Parteitag in diesem Herbst aber, spätestens also mit der Entscheidung von Kurt Beck, seine SPD auf einen neuen Pfad zu führen - "nah an den Menschen" -, weiß Müntefering, dass sich die Genossen einen Weg suchen, der nicht mehr der seine ist. Ein konsequenter Abschied, in jeder Hinsicht.

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