Auf den Punkt : Ein liebenswürdiges Luxusproblem

Lorenz Maroldt zum Flughafen Tegel

Lorenz Maroldt
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Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinOk, TXL hat keinen Bahnanschluss, und die Sicherheitsleute sind von ausgesuchter Armseligkeit (nein, nicht alle!). Aber davon abgesehen ist Tegel wirklich der perfekte Flughafen. Für Kurztrips fährt man ja mitsamt Gepäck fast bis an die Gangway, parkt sein Auto direkt unter dem richtigen Terminal und zahlt dafür am Ende des Tages weniger als für zweimal Taxi (und spart sich auch noch das blöde Gequatsche der stets unverschämt genervten Fahrer - nein, natürlich nicht alle). Das richtige Terminal zu finden - auch kein Problem: Es ist im Vorbeifahren auf der großen Abflugtafel zu erkennen. Dann der Sicherheitscheck: Kein zeitlich unkalkulierbarer Wahnsinn wie in München oder Frankfurt, wo Tausende durch dieselbe Schleuse gepresst werden, egal, ob sie nun nach Mannheim oder Minneapolis wollen, egal, ob sie noch drei Stunden Zeit haben bis zum Abflug oder nur noch dreißig Minuten. Nein, in Tegel wird zielgruppengerecht im Rucksack gewühlt, jeweils nur für eine Maschine, und das auch noch direkt am richtigen Warteraum. Rückwärts geht's genauso gut: Die Wege sind so kurz, dass mancher schon am Gepäckband vorbeimarschiert ist, weil er es erst nach dem anderswo üblichen Zehntausendmeterlauf erwartet hatte. Ein liebenswürdiges Luxusproblem.

Doch ach, vorbei bald auch das. Um Tempelhof wurde noch politisch gekämpft, für Tegel ist der Hammer längst gefallen. Nach der Eröffnung von Schönefeld (Groß) irgendwann ab ca. 2011 erlischt die Betriebsgenehmigung, ist TXL als Flughafen entwidmet. Rechtskräftig! Wenn auch hier das Volk aufbegehren will - und das wird es wollen! - dann kommt es zu spät. Zwar wie angekündigt, aber dann doch im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit haben die Gesellschafter längst gehandelt, wohl in weiser Voraussicht. Tempelhof war ein raues Lüftchen für den Senat - Tegel wäre ein Orkan! Vertan. Selbstverständlich gibt es aber auch hier wie in Tempelhof keinen Plan, was mit dem Gelände geschehen soll, wenn der Flughafenbus nicht mehr halten muss. Nur eines darf dann nicht sein: Dass die Bundesregierung doch noch ihre Flugbereitschaft in der Innenstadt behält. Denn klar ist nur, dass hier kein ziviler Flugverkehr mehr genehmigt werden kann. Was aber ist mit dem militärischen Teil? Unsereins muss raus nach Schönefeld, aber der Umweltminister, ja das ganze Kabinett und auch der Präsident hebt weiter hier ab, mit allem Lärm und Dreck? Gut möglich, dass es doch noch eine Schlacht um Tegel gibt, ein Bürgerbegehren unter dem Motto: "Ich zahl doch nicht für einen Politpromi-Airport!" Da wäre ich dann dabei.

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