Auf den Punkt : Einmal Türke, immer Türke

Ferda Ataman über die Integrationsstudie

Ferda Ataman
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Ferda Ataman

BerlinMan könnte meinen, Deutschland habe ein Problem mit integrationsunwilligen Türken. Eine neue Studie hat die Integrationserfolge der verschiedenen Einwanderergruppen in Deutschland untersucht und belegt: Nur jeder zwanzigste Türke geht eine Ehe mit einem nichttürkischen Partner ein, jeder dritte Jugendliche ist arbeitslos und die Hälfte der Frauen bleibt zuhause am Herd. Die nüchterne Kernaussage der Studie über die anatolischen Einwanderer lautet: Gemessen an Indikatoren wie Beruf, Bildung und Staatsbürgerschaft integrieren sie sich langsamer als Menschen mit einer anderen Herkunft.

Doch um die impulsive Bestätigung gängiger Vorurteile einzudämmen: Grund dafür sind nicht die türkischen Anpassungsverweigerer, die sich in ihrer Parallelgesellschaft abschotten. Zwar gibt es sie in deutschen Großstädten und sie sind ein Teil des Problems. Doch geht man die einzelnen Punkte durch, drängen sich andere Erklärungen auf. In der Bildungsquote belegt die Studie lediglich die erwartbaren Folgen des selektiven Bildungssystems in Deutschland. Für die Nachkommen der unqualifizierten Gastarbeiter aus den sechziger und siebziger Jahren gilt eben das, was für deutsche Kinder aus bildungsfernen Familien ebenfalls gilt: Einmal Hauptschule, immer Hauptschule. Dass die beruflichen Erfolge der Türken in Deutschland meist auf der Strecke bleiben, verwundert angesichts ihrer bildungsfernen Herkunft also auch nicht.

Bleibt noch zu klären, wie es sich mit den Türken und ihrer Bereitschaft verhält, auf dem Papier ein Deutscher zu werden. Für viele Türken ist die Passfrage noch immer ein emotionales, bisweilen sogar schmerzvolles Thema. Es ruft unweigerlich Assoziationen mit der hessischen Unterschriftenkampagne gegen den Doppel-Pass von 1999 hervor. Denn so lange die Politik den Türken - anders als etwa Schweizern und anderen Drittstaatenländern - verweigert, den deutschen Ausweis zum türkischen dazu zu bekommen, werden sich viele weigern, Deutsch zu werden. Sie bleiben lieber Türken. Nicht nur auf dem Papier.

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