Auf den Punkt : Er kommt nicht an

Fabian Leber über Guido Westerwelle

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Fabian Leber, Redakteur Meinung -
Fabian Leber, Redakteur Meinung -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinWarum wollte Guido Westerwelle Außenminister werden? Viel ist darüber spekuliert worden, von einer Tradition war oft die Rede, von der Fortführung liberaler Außenpolitik, von den Fußstapfen, die Scheel, Genscher und Kinkel hinterließen. Eine Tradition ist es, dass deutsche Außenminister zu den beliebtesten Politikern der Republik zählen. Das war nicht nur bei Genscher so, auch Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier rangierten ganz vorne.

Es ist eine Reihenfolge, an die Guido Westerwelle nicht anknüpfen kann. Seine Sympathiewerte steigen nicht, seitdem er im Hauptberuf Außenminister ist - im Gegenteil, sie sinken. In der Rangfolge des ZDF-Politbarometers, deren Skala von plus fünf bis minus fünf reicht, musste der FDP-Chef an diesem Freitag die größten Verluste hinnehmen: Er rutschte von plus 0,2 auf minus 0,3 und landete damit nur noch auf Platz acht, vor dem Linken-Politiker Lafontaine. Weit davongezogen sind Verteidigungsminister Guttenberg (plus 2,1) und Kanzlerin Merkel (plus 1,6).

Für den Außenminister müssen diese Zahlen deprimierend sein, hat man ihm doch von Anfang an nachgesagt, er strebe deshalb in die weite Welt, um daheim vom Sympathiebonus des Amtes zu profitieren. Die ersten drei Ministermonate hat Westerwelle ohne  Fehltritte überstanden, in seinem neuen Amt aber kommt er nicht an. Seine Vorschläge, Talibankämpfer mit Geld zur Aufgabe zu bewegen, wirken wenig überzeugend. Wenn er davon spricht, Afghanistan werde nicht militärisch gewonnen, sondern politisch, dann klingt das eher nach grüner als nach gelber Außenpolitik, und Westerwelles Pläne für eine "neue Ostpolitik" und atomare Abrüstung folgen allzu offensichtlich dem, was ihm sein Mentor Genscher im Geiste der 70er Jahre rät.

Wenn es um ihre Repräsentanz im Ausland geht, dann haben die Deutschen präzise Vorstellungen. Ihr Vertreter soll Macht beanspruchen, sich das aber möglichst nicht anmerken lassen. Unaufdringlich, demütig, ein bisschen leidend: So wünschen sich die Deutschen ihre Außenpolitiker. Merkel kann das, Steinmeier trat so als Minister so auf, selbst Joschka Fischer, der Egomane, beherrschte die deutsche Sondergeste zu Genüge. Schlecht kommt an, wer bei EU-Gipfeln krampfhaft in jede Kamera grinst, und in naiver Begeisterung von der Pracht des französischen Außenamts schwärmt, so wie es Westerwelle ohne Understatement nach seiner Pariser Premiere tat. Der Außenminister will so sein, wie ihn sich die Deutschen wünschen, doch dies wirkt umso gezwungener, je stärker er sich dabei zu beherrschen versucht.

Das Missverständnis wäre zu vermeiden gewesen. Westerwelle hat seine Partei zum größten Erfolg ihrer Geschichte geführt, er ist und bleibt ihr wohl größtes (innen-)politisches Talent. Hätte er das Finanzministerium beansprucht, dann wäre er nicht flatternder Außenminister, sondern mächtiger Schatzkanzler geworden, eine Rolle, die besser zu ihm gepasst hätte. Dafür fehlte ihm das letzte Stück Mut. Die Deutschen haben sich das gemerkt.

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