Auf den Punkt : Es ist vollbracht

Gerd Appenzeller zum Volksentscheid über Tempelhof

Gerd Appenzeller
Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Friedbert Pflüger kann sich freuen, und Klaus Wowereit sollte ins Nachdenken kommen. Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende hatte unausgesprochen sein politisches Schicksal mit dem Erfolg des Volksbegehrens zur Erhaltung des Flughafens Tempelhof verknüpft. Lange sah es so aus, als kämen die benötigten 170.000 Unterschriften nicht zusammen, jetzt haben die Initiatoren es geschafft, und sie werden weiter sammeln, bis zum Schluss der Kampagne am 14. Februar.

Das festigt Pflügers Position in der eigenen Partei. Ob am Ende die 600.000 Unterschriften für den Volksentscheid selbst erreicht werden, ist im Moment nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass 170.000 Berliner nicht nur pro Tempelhof, sondern letztlich auch contra Wowereit votiert haben. Denn vor allem seine sture Absicht, gegen alle Notwendigkeiten Tempelhof schon jetzt und nicht erst 2011 oder 2012 zu schließen - was rechtlich völlig unproblematisch wäre - empört die Anlieger.

Ihre Sorge ist verständlich: Weil der Senat bis heute kein Nachnutzungskonzept vorgelegt hat - es gibt ja auch keines! -, ahnen die Tempelhofer, dass rund um das Flugfeld eine gigantische Brache entstehen wird. Sie sehen die Gefahr von Sachbeschädigungen, Einbrüchen und Vandalismus in den und rund um die gewaltigen Gebäuden. Und ihnen schaudert bei der Vorstellung vom schnellen sozialen Abstieg eines ganzen Stadtviertels. Da scheint Widerstand geradezu Bürgerpflicht. Schon erstaunlich, dass der Regierende Bürgermeister nicht merkt, wie sehr er sich da verrannt hat.

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