Auf den Punkt : Fahrt ruhig schwarz!

André Görke zu den herzlosen Schaffnern der Bahn.

André Görke
Andre Goerke
Andre Goerke , Der Tagesspiegel -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinEcht gemein, diese Bahn. Schon wieder hat eine Schaffnerin ein kleines Mädchen aus dem Zug geworfen, ausgesetzt auf einem Bahnsteig in Albrechtshof. Und wieder handelt die Bahn ganz, ganz schnell: Entschuldigung, unser Fehler, durfte die doofe Kollegin gar nicht! Die Schaffnerin sei schon vom Dienst freigestellt. Zudem hätten nun alle 750 Kundenbetreuer eine SMS mit den aktuellen Regeln erhalten. Die lauten: Keine schwangeren Frauen aus dem Zug werfen, keine Betrunkenen und keine Minderjährigen. Na, dann ist ja alles klar. Gute Reise!

Also bitte, so geht's doch auch nicht. 160 Zeichen Regelkunde? So viele passen schließlich in eine SMS (inklusive Leerzeichen). Damit lässt der Konzern seine Schaffner im Zug allein. Das ist auch nicht fair. Das ist billig.

Dieses Mädchen war kein Kleinkind, sondern immerhin 14 Jahre alt (und nein, es hatte auch kein Cello auf dem Rücken und war auch keine 42 Kilometer von zuhause entfernt). Es war auch bestimmt nicht das erste Mal morgens auf dem Weg zu ihrer Oberschule. Die BVG nimmt übrigens auch keine 14-Jährigen mit, wenn sie keinen Fahrschein im Bus vorzeigen können. Und da jault auch keiner auf. Oder?

Die Regeln sind widersprüchlich: Welcher Schaffner will sich denn dem Risiko aussetzen, seinen Job zu verlieren, nur weil er einen 15-Jährigen (oder 17-Jährigen - das sind schließlich die Minderjährigen, von denen wir reden!) ohne Fahrschein aus dem Zug gebeten hat. Vielleicht war der Typ ja auch noch betrunken und sowieso munter am Pöbeln - und das an einem Freitagabend. Ein Gratisexpress zur Party - super!

Da kann man als Schaffner auch gleich still in seinem Abteil sitzen bleiben und SMS lesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben