Auf den Punkt : Forza Italia

Werner van Bebber über die Moto Guzzi Maschinen, die bei der Berliner Motorradstaffel jetzt statt der BMW eingesetzt werden sollen

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinMan erkennt sie am Schütteln. Bei einer Moto Guzzi vibrieren im Leerlauf die Lenkerenden locker-lässig, und gibt man Gas, geht ein Ruck durch das Krad, wie ihn sich Roman Herzog für Deutschland gewünscht hat. Moto Guzzis werden seit sehr langer Zeit von einen stolz im Wind stehenden Zweizylinder-V-Motor getrieben. Ein schönes Konzept, klassisch wie der BMW-Boxer, normalerweise gut gekühlt, gut zu warten und, im Fall von Moto Guzzi, leicht mit zusätzlichen Kräften zu versehen.

Die Moto Guzzi Norge 850 soll zum neuen Berliner Polizeimotorrad werden, wenn sie sich bewährt. Bislang fuhr Berlins Polizei BMW, jetzt ist - über den Umweg der norditalienischen Motorrad-Fabrik - die Globalisierung bei der letzten Traditionsabteilung der Berliner Polizei, bei den Motorradfahrern, angekommen: Die Guzzis sind deutlich billiger. So ist es überall, wo Polizisten Krad fahren. Nicht jeder amerikanische Motorrad-Cop fährt Harley-Davidson, in den USA sind BMWs bei der Polizei weit verbreitet. In England fährt die Police unter anderem Hondas. Monopole gibt es nicht, die Konkurrenz ist offenbar heftig.

Nur die Berliner Motorradpolizisten sind bislang verwöhnt worden: Jede neue BMW-Serie brachte ihnen mehr Hubraum, mehr Leistung, mehr Komfort. Die vehemente Schubkraft eines großen Boxers oder Reihenvierzylinders brauchen die Polizisten im Lederkombi nicht wirklich. Vielleicht zeigen sie deshalb, was ihre Maschinen so in sich haben, vorzugsweise dann, wenn sie auf gesperrten Straßen einer Großpolitiker-Eskorte vorausfahren und mit unachtsamen Autofahrern nicht rechnen müssen. Dann wird geheizt bis zum roten Bereich auf dem Drehzahlmesser. Ganz sicher macht es großen Jungs, auch wenn sie im Auftrag von Innensenator Ehrhart Körting unterwegs sind, großen Spaß, den Pferdchen freien Lauf zu lassen. Ebenso sicher ist es nichts als Show und Angeberei, auf Steuerzahlers kosten.

Mit den Moto Guzzis kommt - davor graust es jeden Motorradliebhaber - das Downsizing. Die Guzzis mit dem relativ kleinen Motor sind nicht so stark und nicht so schnell wie die Polizei-BMWs. Sie sind immer noch schnell und stark genug, um verträumte Berliner Autofahrer zu stellen, wenn sie mal wieder mit vierzig auf eine fast rote Ampel zugefahren sind und bei ganz rot Gas geben. Sie sind auch schnell genug, um durch die Stadt spedierten Staatsgästen das sich mit der Zahl der Begleit-Kräder steigernde Gefühl von Bedeutung zu vermitteln. Ganz sicher sind die schönen Stücke aus Italia elegant genug für den Job. Und so lange die Motorrad-Reiter der Polizei nicht auf stinkende, kreischende 50-Kubikzentimeter-Roller umsteigen müssen, gibt es trotz der städtischen und der globalen Finanzkrise noch Hoffnung.

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