Auf den Punkt : Freiheit, Recht, Einigkeit

Malte Lehming über Schulen in Berlin, demokratische Wahlen und den Islam

Malte Lehming
Malte Lehming
Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Alles wird gut. Das ist ein schönes Gefühl. Die Menschen können noch so viel Blödsinn machen, am Ende lachen die Richtigen. Gerechtigkeit kehrt ein. Drei kurze Beispiele:

Das Schuljahr geht zu Ende. Berlins Abiturienten sind Spitze. Und wieder einmal haben sich die privat betriebenen, konfessionellen Gymnasien als die mit Abstand besten erwiesen. Platz ein belegt das Graue Kloster mit einem sensationellen Notendurchschnitt von 1,89; auf Platz zwei liegt das Evangelische Gymnasium in Frohnau mit 1,91. Im Grauen Kloster kann man Religionsunterricht als Leistungsfach wählen, und den Schülern werden soziale Dienste vermittelt. Während auf staatlichen Berliner Gymnasien das Losverfahren eingeführt wird, können sich die privaten Oberschulen vor Nachfrage kaum retten. Und das ist auch gut so, wie der Regiermeister so gerne sagt. Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Eltern schulpflichtiger Kinder stimmen mit den Füßen ab.

Mit einem anderen Körperteil, im Volksmund der Allerwerteste genannt, stimmen immer mehr Deutsche ab. Sie meiden jede Wahlurne, sie scheuen die Stimmabgabe wie der gemeine Hausberliner die zivilisierte Umgangsform. Ob Kommunal-, Landes-, Bundes- oder Europawahl: Ihre demokratischen Geschäfte verrichten immer weniger Landsleute. In Afghanistan oder dem Irak lassen sich die Menschen trotz erheblicher Risiken für Leib und Leben nicht vom Pfad der Demokratie abbringen, in Deutschland dagegen kokettieren sie mit der Behauptung, es ändere sich ja sowieso nie was. Wenn sich dann doch etwas ändert, schimpfen sie natürlich trotzdem. Nun wird die zunehmende Wahlabstinenz gemeinhin verdammt. Ich aber freue mich über den Trend. Je weniger Menschen wählen, desto gewichtiger wird meine Stimme. Mein Kreuz ist stets das des lachenden Dritten.

Bitterernst ist der Mord an der 31 Jahre alten Ägypterin Marwa E., die im Dresdner Landgericht von einem Russlanddeutschen erstochen wurde. Ein Motiv der Tat war offenbar der Hass des Mannes auf die Frau als eine gläubige, das Kopftuch tragende Muslimin. Plötzlich schweigen alle verlegen, die das Thema „Islamophobie“ in Deutschland vor kurzem noch als inexistent verspottet hatten. Und erneut rückt die Weisheit Barack Obamas in den Blickpunkt, der in Kairo an die „gemeinsamen Grundsätze“ von USA und Islam appelliert hatte, die „Grundsätze der Gerechtigkeit und des Fortschritts, der Toleranz und der Würde aller Menschen“. Obama weiter: „Und ich sehe es als Teil meiner Verantwortung als Präsident der Vereinigten Staaten an, gegen negative Stereotype über den Islam vorzugehen, wo auch immer sie auftreten mögen.“

In Deutschland wird das Tragen des Kopftuchs von Legislative und Justiz bekämpft. In den USA indes ist die Freiheit „untrennbar mit der Freiheit der Religionsausübung verbunden“. Noch einmal Obama: „Das ist auch der Grund, warum die US-Regierung vor Gericht gegangen ist, um die Rechte der Frauen und Mädchen zu schützen, die das Hijab tragen wollen, und um diejenigen zu bestrafen, die es ihnen verwehren wollen.“ Mein Gott, wann endlich wird ein deutscher Präsident oder eine deutsche Kanzlerin sich so klar und entschieden zur Freiheit bekennen?

Alles wird gut. Nein, das stimmt nicht. Aber alles kann gut werden. Ein Anfang wäre gemacht, wenn die Priorität der deutschen Nationaltrias – Einigkeit und Recht und Freiheit – einfach mal umgekehrt würde. Erst die Freiheit – und am Schluss die Einigkeit. Bis dahin trösten wir uns mit guten Schulen und niedriger Wahlbeteiligung.

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