Auf den Punkt : Fußball als Kulisse

Axel Vornbäumen über die Krawalle in Italien.

Axel Vornbäumen
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Axel Vornbäumen, Redakteur für besondere Aufgaben -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das sei ein "schrecklicher Tag für den italienischen Fußball" gewesen, hat Silvio Berlusconi gesagt, der Präsident des AC Milan und frühere Regierungschef. Ach, mehr nicht? Der Tote vom Autobahnparkplatz bei Arezzo, höchstwahrscheinlich versehentlich erschossen aus der Dienstpistole eines überforderten Verkehrspolizisten - ein Unglücksfall, rhetorisch in etwa zu bewerten, wie ein vergeigter Elfmeter in einem WM-Halbfinale? Das klingt schwer nach: Augen zu und durch. Das klingt nach: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Italien aber hat eine Nacht mit bürgerkriegsähnlichen Szenen hinter sich, wie man sie nicht einmal aus den französischen Banlieus kennt. Hunderte Hooligans lieferten sich mitten in Rom Straßenschlachten mit der Polizei, griffen eine Kaserne an, setzten Autos in Flammen. Ein Mob wütete da - vereinigt in seinem Hass auf: den Staat.

Das hat mit Fußball nichts zu tun, heißt es, auch in Deutschland, sonst so ratlos wie regelmäßig. Dann, wenn in oder um die Stadien wieder mal Krawallmacher unterwegs waren. Der Satz hat nie so ganz gestimmt, weil der Fußball als Kulisse herhalten musste, vor der sich die Gewalttäter produzieren konnten. In Italien aber muss seit gestern Nacht hinterfragt werden, ob die Krawallnacht tatsächlich mit Fußball noch zu tun hat - oder nicht. Wenn nicht, dann hat der Staat Italien sehenden Auges zugelassen, wie sich in ein Sammelbecken für Gewalt eine bedrohliche Mischung zusammenbrauen konnte. Nun soll den Tifosi verboten werden, ihre Vereine bei Auswärtsfahrten zu begleiten. Das wirkt hilflos, wird neuen Hass provozieren und klingt nach - Ausgangssperre. Ein Staat muss schon in höchster Not sein, wenn er zu diesem Mittel greift.

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