Auf den Punkt : Gefahr der Extreme

Frank Jansen zu den "autonomen Nationalisten"

Frank Jansen
Frank Jansen -Foto: Mike Wolff

Sie möchten gerne die Endphase der Weimarer Republik nachspielen, vor allem die Straßenschlachten zwischen SA und Rotfront: Am 1. Mai sind Neonazis in Hamburg mit so viel Brutalität auf Polizei, Journalisten und den linksautonomen Gegner losgestürmt, dass Tote zu befürchten waren. Die Polizei war geschockt wie selten. Sie hatte es mit gleich zwei schwarzen Blöcken zu tun: Dem der Linken, den man lange kennt, und dem der besonders action-orientierten „autonomen Nationalisten“. Diese Strömung hat sich erst in diesem Jahrzehnt in der rechten Szene gebildet - nach dem bizarren Vorbild der Autonomen.

In ihrem Hass auf den Staat, auf die bürgerliche Gesellschaft und auf den jeweils anderen schwarzen Block sind sich die Fanatiker von rechts und links erschreckend ähnlich. Im neuen Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz wird den Aufmärschen der autonomen Nationalisten bescheinigt, dort sei im Vergleich zu Demonstrationen anderer Neonazis eine „signifikant höhere Gewaltbereitschaft“ festzustellen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sprach von einer „neuen Qualität“, als er heute den Bericht des Bundesamtes für 2007 in Berlin vorstellte. Die Herausforderung durch die rechte Szene hat sich für Sicherheitsbehörden, Politik und Gesellschaft noch mal erhöht.

Die Radikalisierung ist allerdings auch die Reaktion auf einen Verlust an Kraft, der sich in Teilen des rechtsextremen Spektrums beobachten lässt. Die Zahl der Aufmärsche geht deutlich zurück, viele Neonazis sind die Latsch-Demos durch ein Spalier von Polizisten und schreienden Gegendemonstranten leid. Dass einige „Kameraden“ abschlaffen, scheint andere jedoch erst recht zu noch mehr Aktionismus und Militanz zu animieren. Tendenzen zunehmender Radikalität gibt es auch unter jüngeren Mitgliedern der NPD, zum Teil ebenfalls als Antwort auf das als betulich empfundene Auftreten vieler Parteifunktionäre. Ein Verbot der NPD würde den Fanatismus der Jungen vermutlich noch anheizen. Aber auch ohne ein solches Verfahren ist mehr zielgerichtete Gewalt von rechts zu erwarten. Mit entsprechenden Antworten von linksaußen. Auch wenn sich Weimar garantiert nicht wiederholt - die Gefahr, dass sich die Gewalt von braunen und roten Autonome gegenseitig hochschaukelt, bis die ersten Toten auf der Straße liegen, nimmt zu.

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