Auf den Punkt : Gesicht zeigen - gegen links!

Frank Jansen über die magere Bilanz der Berliner "action weeks"

Frank Jansen
Frank Jansen
Frank Jansen -Foto: Mike Wolff

BerlinDas Bild wirkt auf den ersten Blick dramatisch: Ein Berliner Polizist in Zivil hält seine Waffe in der Hand, nur einen halben Meter vom Kopf eines am Boden liegenden Demonstranten entfernt. Doch so wild, wie es das Foto verkündet, war der sonnabendliche Fehlversuch der linken Szene nicht, den Flughafen Tempelhof zu besetzen. Und es gab keinen stundenlangen "Straßenkampf", auch wenn eine große Boulevardzeitung das Gegenteil behauptet. Tempelhof ist nicht Teheran.

Dennoch gibt es Grund zur Beunruhigung, allerdings weniger wegen des weitgehend happening-artigen Auflaufs in Tempelhof als angesichts der linksextremen Gewaltausbrüche überhaupt. Die zwei "action weeks", in denen sich Teile der Szene von Anfang Juni bis zu diesem Wochenende mit Anschlägen und Hausbesetzungen austobten, haben das Sicherheitsgefühl vieler Berliner beeinträchtigt. Zumal es schon bis dahin reichlich nervte, dass Nacht für Nacht eine individuell agierende "guerilla diffusa" Fahrzeuge anzündet, vom Porsche bis zum Smart. Hauptsache, es lodert ein Fanal, irgendwie gegen den Kapitalismus.

Aber es wäre billig, Innensenator Ehrhart Körting und der Polizei anzulasten, die Dauerrandale nicht rasch abstellen zu können. Wenn Polizeipräsident Dieter Glietsch jetzt kritisiert, dass seine Beamten in der Bekämpfung des gewaltbereiten Linksextremismus alleine gelassen werden, möchte man antworten: Ein Teil der Berliner ist ebenso. Am 1. Mai lässt sich regelmäßig beobachten, dass angetrunkene Durchschnittsbürger durch den Krawall der Autonomen hinreichend animiert sind, auch mal eine Bierdose auf Polizisten zu schleudern.

Das Phänomen des primitiv-proletarischen Haudrauf-Events gibt es auch in anderen Städten, doch in Berlin ist Wohlwollen oder bestenfalls Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt, die "Bonzen und Bullen" trifft, bei ärmeren Schichten wie auch unter saturiert-akademischen Ex-Rebellen keine Seltenheit. Mehr oder weniger intellektuell grundiert wird da ein Randalemythos gepflegt, der eine Art antikapitalistischen Urgrund suggerieren soll. Gegen diese Tradition vermag die Polizei wenig auszurichten. Die Zivilgesellschaft könnte schon mehr erreichen. Es wäre bereits ein Fortschritt, wenn öffentlich Solidarität mit den Besitzern der abgefackelten Fahrzeuge demonstriert würde. Ob die Halter arm sind oder reich.

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