Auf den Punkt : Grün sieht Schwarz

Tagesspiegel-Redakteur Sebastian Bickerich über Oswald Metzgers Wechsel von den Grünen zur CDU.

Sebastian Bickerich
Sebastian Bickerich
Sebastian Bickerich, Redakteur -Foto: Kleist-Heinrich

Endlich angekommen. Ach, all die Jahre anders sein müssen als die Bürgerlichen, all die Jahre Avantgarde sein, im Pazifismus, bei der Ökologie, all die Jahre streiten müssen mit 18-jährigen Feministinnen auf Parteitagen - endlich vorbei.

Sind wir, wie Oswald Metzger, nicht alle irgendwie erwachsener geworden? Wozu denn noch eine Öko- und Friedenspartei, wenn die CDU auch Windräder baut und den Dalai Lama empfängt, wenn es zuhause in der Eigentumswohnung mit den Kindern doch behaglicher ist als in der Studenten-WG? Wozu noch Grün, wenn selbst Roland Koch fleißig wirbt um das programmatische Erbe der Partei?

Oswald Metzgers Weggang zur CDU mag der eines eitlen Einzelgängers sein, der endlich wieder im Bundestag sitzen will statt im Stuttgarter Landtag. Doch er ist mehr: Er ist ein ernstes Krisenzeichen für seine Ex-Partei. Die Interessen der Mitglieder und die Politik der Führungsmannschaft der Grünen sind nicht mehr deckungsgleich. Bei den letzten Landtagswahlen hagelte es schlechte Ergebnisse, und das in Hochburgen wie Hessen und Hamburg. Zwischen der Metrosexuellenpartei CDU mit von Beust und Pflüger und den Linken unter Lafontaine ist kaum Platz mehr für Grün.

Indem die Parteispitze einen wie Metzger vergrault hat, einen, der die Grünen-Führung an die Realitäten ihrer Milieus und Mitglieder heranführen wollte, hat sie sich selbst gelähmt. Will sie diese Lähmung überwinden, will sie den programmatischen Stillstand der Ökopartei überwinden, muss sie ihr inhaltliches Profil stärken - und sich neue Betätigungsfelder suchen.

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