Auf den Punkt : Gut gemeint

Der Fall Muhabbet: Mit wem hat sich Außenminister Steinmeier ins Studio gestellt, um den großen Integrationsmotor zu mimen?

Werner van Bebber
Werner van Bebber
Werner van Bebber, Reporter -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Unser beliebter Außenminister hat es so gut gemeint und sieht so schlecht aus: Sein in Berlin-Neukölln aufgenommener Integrationsfördersong mit dem Künstler Muhabbet wirkt nun gar nicht mehr wie eine feine Idee, um Deutsche und Migranten voranzubringen. Er wirkt wie ein Lehrstück über die Missverständnisse zwischen denen, die eine liberale Demokratie wollen – und denen, die islamische Werte ins aufgeklärte Europa importieren.

Aber seien wir vorsichtig: Es ist nicht ganz bewiesen, dass Muhabbet bei der Vorstellung eines Dokumentarfilms über den ermordeten Filmemacher Theo van Gogh diesen Mord gutgeheißen hat. Es ist nicht bewiesen, dass er bei derselben Gelegenheit der Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali den Tod gewünscht hat. Die Filmemacherin Esther Schapira und ihr Kollege Kamil Taylan behaupten dies glaubwürdig – Muhabbet bestreitet es. Es gibt Zeugen des Vorfalls, die die Sache aufklären werden. In ein paar Tagen sind wir klüger. Fest steht, dass es eine Menge Leute gibt, die Muhabbets Texte für machohaft, frauenfeindlich, antiwestlich und islamophil halten. Mit wem hat sich Steinmeier da ins Studio gestellt, um den großen Integrationsmotor zu mimen?

Vielleicht kommt es darauf nicht an. Man muss nicht zum Kenner der muhabbetschen Lyrik werden – man kann aber, auch wenn der Mann ein hammerharter Macho ist, eine deutliche Klarstellung von ihm erwarten. Nach dem Motto: Ich lehne Morde ab, ich nehme die Freiheit der Kunst für mich in Anspruch, aber mit Gewalt habe ich nichts zu tun. Längs wissen die Verbände der muslimischen Einwanderer: Erklärungen wie diese klingen nach Ritual – aber sie räumen Missverständnisse aus. Was Steinmeier anbelangt, kann man nur hoffen, dass er sich auf seine nächste Integrationsfördermaßnahme gut vorbereitet. Dass einer Zurückhaltung bei der Recherche fordert, weil ihm deren Ergebnis nicht ins Weltbild passt - das kann sich allenfalls Claudia Roth leisten.

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