Auf den Punkt : Hertha braucht Substanz

Sven Goldmann zur Krise des Hauptstadtklubs Hertha BSC

Sven Goldmann
Sven Goldmann, Redakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Hertha BSC redet gern von der Champions League und spielt in der Bundesliga gegen den Abstieg. Wer will, kann im Dilettieren der Fußballmannschaft eine Fortsetzung des Berliner Anspruchsdenkens auf dem Rasen entdecken. Ist Hertha BSC das sportliche Äquivalent zu einer bankrotten Hauptstadt, die so viel sein möchte und so wenig ist? Findet der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, dem Berlin das Etikett "arm, aber sexy" verdankt, seine Entsprechung in Herthas Manager Dieter Hoeneß? Genau dieser Hoeneß war es, der vor ein paar Monaten siegestrunken von der Champions League schwadronierte.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat das Bundesverfassungsgericht dem hochverschuldeten Berlin milliardenschwere Sanierungshilfen verweigert, mit dem Argument, die Stadt sei stark genug, aus eigener Kraft ein Weg aus der Misere zu finden. Wowereit war ein paar Tage lang beleidigt, dann hat sich seine Regierung an die Arbeit gemacht. Mit dem Ergebnis, dass die Stadt in der Tat stark genug ist, ihre Probleme selbst zu lösen. Berlin, lange Zeit am Tropf der kalten Krieger aus Ost und West, kann gut leben mit dem kreativen und wirtschaftlichen Potenzial, das es seit der Wiedervereinigung gewonnen hat.

Die Zukunft wird zeigen, wie viel Substanz Hertha BSC in sich vereinigt. Ob das viele Geld, das der Verein in der Winterpause in neues Personal gesteckt hat, eine gute Investition war. Ob der Trainer Lucien Favre mehr ist als ein Visionär mit attraktiven Ideen. Ob der Verein umgehen kann mit Rückschlägen wie der heftigen Niederlage zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde. Noch bleiben 16 Spiele, dem derzeit verheerenden Eindruck entgegenzuwirken. Wenn genug Substanz vorhanden ist, braucht Hertha BSC die Zukunft nicht zu fürchten.

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