Auf den Punkt : Hilfe im Umgang mit der Droge

Patricia Wolf über öffentliche Alkoholverbote

Patricia Wolf
Patricia Wolf
Patricia Wolf, Redakteurin -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinIn Italien oder Spanien finden wir das toll: Kleine Grüppchen von Leuten stehen auf der Straße und reden, essen, lachen. Dabei trinken sie das eine oder andere Glas Wein oder Bier. Am Berliner Alexanderplatz dagegen ist seit kurzem der öffentliche Genuss von Alkohol offiziell verboten. Und die Stadt Stuttgart will nun gar spätestens ab dem nächsten Jahr den Verkauf von Bier und Wein in der Zeit zwischen 22 und 5 Uhr morgens an Kiosken, Tankstellen und Supermärkten untersagen.

Dass dafür im Gegenzug die Sperrstunde in den Kneipen um ein, zwei Stunden gelockert wird, darin sieht man im Ländle keinen Widerspruch. Im Gegenteil: das Verbot wird als "wirksamer Baustein im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch" vor allem von Jugendlichen angesehen. Denn sie sind das Problem. So scheint es zumindest. Seit die Zahl der Jugendlichen, die betrunken zur Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden, statistisch erfasst wird, scheint diese unaufhörlich zu steigen.

Aber gab es das nicht schon immer? Dass Jugendliche bei ihren ersten Kontakten mit Alkohol dessen Wirkung falsch eingeschätzt haben? Schließlich muss der vernünftige, also maßvolle Genuss, auch erst gelernt werden. Doch seit Medien und Politik sich für das Thema verstärkt interessieren, schaut man Wochenende für Wochenende gebannt auf die Zahl derer, die als "betrunken" erfasst wurden. Mitunter sind dabei freilich auch Kinder und Jugendliche mit 0,3 Promille im Blut.

Alkohol ist bei uns eine legale Droge. Jugendliche erleben immer und überall, im Elternhaus, in der Werbung, in Filmen und auf der Straße, dass er zum Leben dazugehört. Und Pubertierende versuchen auf ihrem Weg ins Erwachsensein sich eben auch das anzueignen, was das Erwachsensein in ihren Augen ausmacht. Deshalb ist es wichtig, ihnen beim verantwortungsvollen Umgang mit der Droge zu helfen. Ob eine gelungene Hilfe nun wirklich darin besteht, den Verkauf von Bier, Wein und Schnaps in der Nacht, und in Stuttgart beginnt diese schon relativ früh, zu verbieten, ist fraglich.

Wenn Jugendliche nicht mehr in der Öffentlichkeit trinken dürfen, verziehen sie sich halt nach Hause oder weichen auf versteckte Plätze aus. Und wenn sie sich ab 22 Uhr keinen Stoff mehr legal besorgen können, sorgen sie eben vor und kaufen sich ihre Flasche schon um 21 Uhr. Und wer nicht ordentlich geplant hat, marschiert einfach in die nächste Kneipe und bestellt sich ein Bier. Oder zwei. Das ist sogar offiziell schon 16-Jährigen erlaubt.

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