Auf den Punkt : Im Westen was Neues

Gerd Nowakowski über die Senatspläne zur City West

Gerd Nowakowski
Gerd Nowakowski, Ressortleitung Berlin/Brandenburg -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das wurde Zeit, das war überfällig. Nach zwei Jahren Debatte legt die Arbeitsgruppe aus Senat und Bezirk „Leitlinien“ für die City-West vor. Es ist gut, dass der Blick der rot-roten Landesregierung endlich wieder nach Westen schweift. Aber mehr als ein Anfang sind die vorgelegten Leitlinien nicht.

In der Vergangenheit war es richtig, dass die Stadtentwicklung sich vor allem mit dem Osten der Hauptstadt beschäftigte, weil dort das Erbe der DDR in vielen Quartieren aus heruntergekommenen Wohnhäusern, maroden Infrastrukturen und öden Plätzen bestand. Das hat sich geändert; die City Ost boomt. Der Alexanderplatz wird zum immer attraktiveren Shopping-Standort, die Friedrichstraße hat sich zu einem eigenständigen und geschlossenen Ensemble entwickelt und der Potsdamer Platz seinen festen Platz in der Mitte gefunden.

Im alten Westen des neuen Berlins aber sind trotz einiger Anstrengungen die Probleme weithin sichtbar. Das Quartier hat längst nicht verwunden, dass der Bahnhof Zoo vom Fernverkehr abgekoppelt wurde; von Aufwertung ist nur rudimentär etwas zu spüren. Im Gegenteil: Der nur knapp vereitelte Plan, im Bahnhof Spielhallen anzusiedeln, zeigt, wie wenig Gespür und Bereitschaft die Bahn mitbringt, diesem Standort mehr Qualität zu geben.

In Berlin, der Stadt der vielen Zentren, ist die City West eine Wunde, an der zwar herum operiert wird, ein Heilungsprozess aber nicht erkennbar ist. Die jahrelange Missachtung durch die Politik hat bei vielen Menschen, denen die Gegend am Herzen liegt, das Gefühl genährt, sie würden vor allem von der Linken stellvertretend als unverbesserliche West-Berliner bestraft.

Das abgerissene Schimmelpfeng-Haus, das wieder alte Sichtachsen öffnet, die Bauarbeiten für das Hochhaus Zoo-Fenster sind ermutigende Zeichen. Bis aber das Schmuddelimage der Gegend vergessen ist, bleibt noch viel zu tun. Vor allem braucht es dazu die Bereitschaft der Landesregierung, sich mit ebenso viel Nachhaltigkeit und Sorgfalt um den Bereich zwischen Tauentzienstraße, Zoo und Kurfürstendamm zu kümmern, wie es der Ost-City in den vergangenen zwanzig Jahren zuteil wurde.

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