Auf den Punkt : Je grandioser das Scheitern, desto größer das Selbstbewusstsein

Lorenz Maroldt zu Josef Ackermann

Lorenz Maroldt
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Lorenz Maroldt, Chefredakteur -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinMan möchte ihn ja eigentlich lieber verteidigen, den Lieblingsbösewicht der Deutschen. Er hat schon vor einem halben Jahr vor der Katastrophe gewarnt. Er sagt auch heute, wie es ist. Er hat beizeiten die richtigen Schlüsse gezogen. Er ist erfolgreich selbst in der Krise. Er verzichtet freiwillig auf seinen Bonus. Er hat, soweit bekannt, gegen kein Gesetz verstoßen; selbst der eifrige Links-Kommissar Ehrlicher müsste ihn ganz schnell wieder freilassen. Und: Viele von denen, die jetzt auf Josef Ackermann losgehen, wollen damit ganz offensichtlich nur vom eigenen Dilettantismus ablenken. Aber der Chef der Deutschen Bank tut ihnen auch den Gefallen, am Bild des bösen Bankers weiter zu werkeln. Ackermann hätte besser geschwiegen, anstatt sich ausgerechnet jetzt so überheblich zu geben.

Dass er sich schämen würde, Staatsgeld anzunehmen - nun gut, das mag ihn persönlich sogar ehren. Gegenüber der Politik und den Kollegen Bankmanagern, die nicht ganz so gut dastehen wie er, ist dieser Spruch allerdings infam. Er riskiert den Erfolg des Rettungspakets, weil er diejenigen erniedrigt, die es in Anspruch nehmen. Dass er quasi als Sprecher der Banken die Bedingungen der Bundesregierung für die Hilfeleistungen ablehnt - nun gut, das kann ihm niemand verwehren. Aber er offenbart damit eine bizarre Logik: Je grandioser das Scheitern, desto größer das Selbstbewusstsein. Die Besten suchen sich anderswo einen Job, wenn sie nicht mehr bekommen als 500.000 Euro im Jahr? "Die Besten" sind jene Bonusmillionäre, die sich auf Kosten der Allgemeinheit verzockt haben. Je strikter Auflagen, desto geringer sei die Bereitschaft, von der Hilfe Gebrauch zu machen? Das ist schon verrückt: Bisher war von der Not der Banken der Rede. Aber die Not der Politik ist größer, und das Motto Ackermanns lautet: Wenn ihr uns schon mit eueren Milliarden nervt, dann haltet wenigstens die Klappe.

Ackermann sagt das mit Selbstbewusstsein desjenigen, der in der Krise drei Milliarden gewonnen hat. Aber auch seine Bank ist verstrickt in das undurchsichtige Netz gegenseitiger Zahlungsgarantien, in den Handel mit hochriskanten Krediten, in die irrsinnige Spekulation mit Kreditversicherungen. Dabei werden keine Werte geschaffen, es ist eine Scheinwelt ohne Scheine, ein virtueller Wahnsinn, letztlich kaum anders als ein Kettenbrief oder das Pilotenspiel. Ackermann sieht nicht ein, dass in einem verdorbenen System kein sauberes Geld zu verdienen ist. Sein Bonus, den er jetzt scheinbar generös seinen Mitarbeitern schenken will, stammt aus dem Ruin anderer. Dass er das auch noch zu einem Akt der Solidarität verklärt, das zeigt: Bei Ackermann kommt wirklich jede Hilfe zu spät.

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