Auf den Punkt : Kopf unter Hals

Stephan-Andreas Casdorff über das Umfragetief der SPD

Stephan-Andreas Casdorff
Stephan-Andreas Casdorff
Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur

BerlinUnd wenn du denkst, es geht nicht mehr - dann kommt von irgendwo noch mehr. Noch mehr an Frust. Für die SPD. Nur noch 20 Prozent! Nun gut, es ist eine Umfrage. Und es ist eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa, dessen Chef manchem Spitzengenossen in Abneigung verbunden ist. Aber das heißt nicht, dass Zahlen lügen. Die Daten treffen zu. Sie treffen die Partei bis ins Mark - und die sollte sich darüber nicht belügen.

Wie lange noch? Wie viele Monate will die Führung noch zuschauen, dass die SPD führerlos ist. Gemeint ist damit nicht, dass einer da vorn am Pult stehen und die Partei anbrüllen muss wie weiland Oskar Lafontaine. Gemeint ist nicht Führung nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Sondern: Autorität durch Gedankenführung. Da erreicht die SPD bestenfalls 20 Prozent ihres Potenzials.

Problem erkannt, Problem gebannt? Weit gefehlt. Höchstens ist es aus den Gedanken verbannt. Nur nicht dran denken, es wird schon vorüber gehen. Wie jede, so endet auch diese Zeit. Auf die aktuelle Situation bezogen ist das Gleichmut, aber keiner auf hohem Niveau. Es ist einer, den sich die SPD im Blick auf das kommende Wahljahr nicht leisten kann. Unerschütterlich ist die Ruhe nicht. Die Partei kann sich nicht einmal an dem Gedanken aufbauen, dass die Union - trotz dieser Lage - auch nur auf 36 Prozent kommt. Denn damit ist sie immer noch so stark wie SPD und "Die Linke" zusammen nicht sind.

Die Sozialdemokraten können sich freuen, dass jetzt die Fußball-Europameisterschaft anfängt. Dann sind die Gedanken auch derer abgelenkt, die Kurt Beck ans Leder können wollten. Der muss auf sechs Spiele der Deutschen hoffen: bis ins Finale. Was aber geschieht, wenn die Elf früh ausscheidet?

Wahrscheinlich fordert die SPD dann, dass die Kanzlerin zurücktritt.

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