Auf den Punkt : Kreml-Wetten

Moritz Schuller über den designierten Putin-Nachfolger Dmitri Medvedev

Moritz Schuller
Moritz Schuller, Meinungsredakteur -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Beim englischen Wettbüro William Hill hätte man seinen Gewinn nun verdoppelt. Der Kurs von Dmitri Medvedev für die Nachfolge des russischen Präsidenten betrug 2/1. Wladimir Putin hat sich entschieden, er „unterstützt“ die Nominierung des Gasprom-Aufsichtsrats für die Wahl im Frühjahr. Das Wettbüro ist etwas altmodisch und will erst auszahlen, wenn Medvedev auch gewählt ist. Warum? Als Vito Corleone in „Der Pate“ seinen Sohn Michael zum Nachfolger bestimmte, haben die Zuschauer ja auch nicht wirklich gezittert, ob er’s auch wirklich wird.

Medvedev ist kein Spion und von den vielen unappetitlichen Kumpels, die Putin hat, vermutlich noch der „lupenreinste Demokrat“. Doch die entscheidende Frage ist damit nicht beantwortet: Was wird aus Putin selbst? Wenn er bei William Hill auf Medvedev gewettet hat, dann könnte er sich jetzt einfach zur Ruhe setzen. Wenn nicht, könnte er sich zum Gasprom-Chef machen und absahnen: das Modell Schröder. Oder er zieht sich doch aus der Politik zurück, und lässt seinem Nachfolger den Spielraum, das Land endlich wieder ein wenig zu entautokratisieren. Doch darauf würde vermutlich nicht mal ein wettverrückter Engländer setzen.

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