Auf den Punkt : Lafontaine lebt

Stephan-Andreas Casdorff über die Parteiaustritte bei den Linken

Stephan-Andreas Casdorff
Stephan-Andreas Casdorff
Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur

BerlinDa dachte man doch, nachdem Rosa Luxemburg in der Charité in der Vitrine gefunden worden ist (eine Art Schneewittchen der Linken), ginge es der Partei besser. Selbst wenn ihr der Kopf fehlt, Hand und Fuß, Rosa Luxemburg wohlgemerkt. Dieser Linken. Aber von wegen, die Partei verliert weiter, im Westen wie im Osten, auch Leute, Mit-Glieder. Nur den Kopf bisher nicht. Bisky, Gysi, Lafontaine, alle sind noch da.

Die Krise hilft der Partei auch nicht weiter, diese große, die Banken bedroht, Unternehmen, ja Staaten. Nur die FDP nicht, die neoliberale Markenkern-CDU. Die profitiert sogar noch vom Staatskapitalismus. Bloß die Linke, obwohl sie solche Beschlüsse wie Obama in den USA schon vorher gefasst hatte. Plus kollektiver Belegschaftsbeteiligung bei Firmen, die Geld bekommen sollen, darunter den Sparkassen, den Handels- und Handwerkskammern, damit es ein, zwei, mehrere Unterschiede zum Sozialismus in der Vitrine gibt. Dennoch tun die politischen Gegner so, als werde hier eine Leiche exhumiert. Den ganz Linken unter den Linken könnte das so gefallen.

"Politik für alle", darin drei Seiten, die sind das Manifest der Linken. Nein, nicht das kommunistische, sondern drei Seiten aus Lafontaines Buch von 2005. Diese Seiten enthalten alles, was gegenwärtig geschieht. Und Lafontaine lebt noch. Das ist doch mal eine Perspektive mit Hand und Fuß. Aber wahrscheinlich wird Lafontaine demnächst von den Verursachern vorgehalten, er habe die Krise erst provoziert.

Marx hatte, was den Marktwert betrifft, wohl doch irgendwie recht. Wenn das so weitergeht mit der Linken, wird sie den Kopf verlieren. So und so. Was dann kommt? Na, sie wird eingesargt. Und irgendwann als Torso wiedergefunden.

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