Auf den Punkt : Leben in der Scheinwelt

Fabian Leber über die Rückkehr von Dieter Althaus

Fabian Leber
Fabian Leber, Redakteur Meinung -
Fabian Leber, Redakteur Meinung -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinThüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ist auf dem Weg der Besserung. Das sagen seine Ärzte. Am morgigen Mittwoch soll er aus der Reha-Klinik am Bodensee entlassen werden. Trotzdem bleibt der Eindruck zurück, als lebe Althaus nach wie vor in einer Scheinwelt.

In einer dreiteiligen Interviewserie in der "Bild"-Zeitung hat Althaus in den vergangenen Tagen so getan, als lasse sich das Politische vom Persönlichen trennen. Er sei dankbar dafür, dass die Opposition seinen Skiunfall, bei dem eine Frau ums Leben kam, nicht zum Wahlkampfthema machen wolle, sagt er. Der Ministerpräsident selbst ist es aber, der mit seinem prominent platzierten Interview den Wahlkampf vorzeitig eröffnet hat - und die Illusion von der Trennung zwischen dem Politiker Althaus und dem Privatmenschen Althaus dementiert hat.

Althaus wird das Interview in der Hoffnung arrangiert haben, dass seine tragische Verstrickung in das Unglück möglichst bald vergessen sein wird. In Wirklichkeit aber offenbart sein Umgang mit dem Unfall, dass es ihm an der Zurückhaltung fehlt, die viele von ihm erwartet hatten: Schuld sei nicht die richtige Kategorie, um das Unglück zu bewerten, sagt er - und übersieht dabei, dass er eben doch für schuldig befunden wurde. Althaus hatte die Piste nicht richtig befahren. Er handelte damit fahrlässig. Das geht aus der Entscheidung des österreichischen Gerichts hervor.

"Der Unfall wird nicht in mein polizeiliches Führungszeugnis übernommen. Das ist wichtig, auch für meine politischen Ämter." Die Art und Weise, wie Althaus hier spricht, lässt den Schluss zu, dass er die richtige Distanz zu dem Unglück noch nicht gefunden hat. Viele Menschen fühlten sich Althaus in den vergangenen Wochen näher - weil jeder Mensch die Angst kennt, er könne in Sekundenbruchteilen einen Fehler machen, der unabsehbare Folgen hat. In dem ganzen Unglück lag auch eine Chance, die Entfernung zwischen Wählern und Gewähltem zu verringern. Jetzt kann es sein, dass der Abstand - nicht nur in Thüringen - wieder größer wird.

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